Neue Berichtssaison startet
Dax-Ausblick: Stunde der Wahrheit naht

Monatelang ging es an den Börsen aufwärts - in froher Erwartung, dass sich die Wirtschaft erholt. Zuletzt mussten die Anleger Dämpfer verkraften. Alles hängt nun an den Unternehmen, und die legen jetzt wieder Zahlen vor. Nun muss sich zeigen, ob die Erwartungen der Realität standhalten.
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HB FRANKFURT. Seit März hält die Börsenrally an; innerhalb weniger Monate gewann der Dax 50 Prozent an Wert - und das noch zu Zeiten der Krise. Die Entwicklung löste bei vielen Beobachtern ein mulmiges Gefühl aus. Einige Aktienstrategen warnen schon seit geraumer Zeit davor, dass die Hoffnungen auf ein Ende der Krise und einen rasanten Aufschwung herb enttäuscht werden könnten.

Nahrung bekamen die Skeptiker zum Beispiel in dieser Woche. Bereits am Donnerstag war der Dax in Reaktion auf enttäuschende US-Konjunkturzahlen um mehr als zwei Prozent abgerutscht. Am Freitag belastete ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht die Börse, und weiter ging es bergab mit dem deutschen Leitindex. "Die Zahlen waren klar enttäuschend und zeigen, dass die Unternehmen extrem vorsichtig sind", sagt Analyst Thomas Amend von HSBC Trinkaus. "Das zeigt, dass der Weg der Erholung ein steiniger ist."

Den Spannungsbogen, in dem Börsenexperten und Investoren nun gleichermaßen stecken, umschreibt Amend knapp und bündig: "Das Schlimmste liegt hinter uns, die Krise ist aber noch nicht vorbei." Bulle und Bär, Optimist und Pessimist - beide finden derzeit Munition für ihre Einschätzungen. Führte die Enttäuschung vom Freitag nur zu einem der in jüngster Zeit häufigen Rücksetzer, den nicht investierte Anleger zum sofortigen Einstieg nutzen, oder beginnt nun die lange erwartete Konsolidierung?

Weltweit sind Anleger zuletzt vorsichtig geworden. Der State Street-Index, den der Finanzdienstleister State Street Global Markets jeden Monat aus dem Kauf- und Verkaufsverhalten institutioneller Anleger ableitet, ging im September gegenüber August zurück. Vor allem US-Investoren hielten sich zurück, während sich in Europa das Anlegervertrauen verbesserte. Zwar bauten die Investoren weiter Risikopositionen auf, aber es dränge sich der Verdacht auf, dass der Anstieg der weltweiten Aktienkurse "zumindest zum Teil eher der höheren Liquidität und weniger einer Verbesserung der Fundamentaldaten zuzuschreiben ist", kommentierte Harvard-Professor Ken Froot die Zahlen.

Bei den Fundamentaldaten geht es zum einen um Konjunkturindikatoren und zum anderen um Unternehmensnachrichten. In den zurückliegenden Monaten nährten positive Signale die Hoffnungen auf eine Wirtschaftserholung, die nun aber von den Unternehmen auch bestätigt werden müssten. Eingepreist ist der Aufschwung in den Kursen bereits seit geraumer Zeit. Sollte er nicht - oder nicht im erhofften Ausmaß - kommen, dürften die Aktienkurse schnell wieder abbröckeln.

Alle Anzeichen einer wirtschaftlichen Aufhellung in den USA, an denen die Erwartungen anknüpfen, bergen das Risiko, dass es sich nur um ein vorübergehendes Aufbäumen der Konjunktur handeln könnte, warnt Stefan Scheurer, Kapitalmarktanalyst bei Allianz Global Investors: "Mit dem Auslaufen einiger Konjunkturprogramme könnte eine wichtige Stütze der Erholung wegfallen. Als Folge könnte der Wachstumspfad abflachen, während realökonomische Indikatoren wieder verstärkt in den Fokus treten."

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