Neue Indexfamilie
Deutsche Börse lanciert Ökoindizes

Die Deutsche Börse und Indexprovider Stoxx setzen auf Nachhaltigkeit. Doch die neue Informationsplattform zu nachhaltigen Investments ist nicht so groß wie sie tut.
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Die Börse hat ein Informationsportal für nachhaltige Wertpapiere (boerse-frankfurt.de) sowie die nachhaltige Indexfamilie Stoxx Global ESG Leaders lanciert. Damit reagierte die Börse auf Kritik von Anlegern an ihrem mageren Angebot und dass sie nicht dazu beitrage, für Transparenz zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistungen von Unternehmen (kurz ESG) zu sorgen.

Die Indexfamilie basiert auf den Ratings der internationalen Reseachagentur Sustainalytics. Neben dem Hauptindex bestehen drei Unterindizes zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Hier herrscht hohe Transparenz: Stoxx führt für alle Branchen die Gewichtungen der 100 Indikatoren auf. Grundlage sind die ESG-Schlüsselkriterien (KPIs) des Finanzprofiverbandes DVFA, die auch vom europäischen Dachverband EFFAS bestätigt wurden. Da aber viele Firmen noch keine Daten zu diesen KPIs liefern, muss Sustainalytics übergangweise mit Näherungswerten arbeiten und die Daten einfordern.

Das Informationsportal soll alle bei der Deutschen Börse handelbaren nachhaltigen Wertpapiere bündeln. Es fehlen jedoch ihre Clean Tech Indizes - wohl weil für sie keine Nachhaltigkeitskriterien gelten. Die Aussage der Börse, die Plattform sei hierzulande das größte Informationsangebot an nachhaltigen Wertpapieren, ist jedoch nicht zutreffend. Viel größer dimensioniert ist die unabhängige, öffentlich zugängliche Datenbank nachhaltiges-investment.org des Sustainable Business Institute. Diese informiert zu 50 Nachhaltigkeitsindizes, 2600 Unternehmen und portraitiert sämtliche 354 zugelassenen Fonds im deutschsprachigen Raum.

Auf dem Portal der Börse können Anleger allerdings die 1800 geführten Aktien nach Nachhaltigkeitsschwerpunkten sortieren. Sind ihnen etwa ökologische Kriterien am wichtigsten, ändert sich die Reihenfolge der Titel, ohne deren Bewertung zu ändern. Innovativ ist auch, dass für jedes Unternehmen neben dem Gesamtrating die jeweilige prozentuale Bewertung der Umwelt-, Sozial- und Governance-Leistungen veröffentlicht wird.

Institutionellen reicht das gleichwohl nicht. Sie fordern in der "Sustainable Stock Exchange Initiative" von der Deutschen und 29 weiteren Börsen, gelistete Unternehmen zu verpflichten, Leistungsdaten zur Nachhaltigkeit offen zu legen. Die Unterzeichner, darunter Aviva Investor und Allianz Global Investors-Tochter RCM, verwalten addiert 1,6 Billionen Dollar.

Die Deutsche Börse ist "noch nicht bereit", eine ESG-Informationspflicht einzuführen, sagte Nachhaltigkeitschefin Julia Taeschner dem Handelsblatt. "Wir prüfen aber eine freiwillige Offenlegungsmöglichkeit." Die Börse Johannesburg hat bereits alle gelisteten Firmen zur ESG-Berichterstattung verpflichtet, andere Börsen haben zumindest Leitlinien.

Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin

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