Neue Studie
Leerverkaufsverbot bringt nichts

Im September haben die Finanzaufsichtsbehörden von rund 20 Ländern sogenannte Leerverkäufe verboten. Diese Wetten auf fallende Kurse sollten insbesondere für den Kursrutsch bei Finanzwerten verantwortlich gewesen sein. Eine aktuelle Studie zeigt: Das Verbot bringt nichts.

NEW YORK/FRANKFURT Leerverkäufe zu verbieten, verhindert nach Einschätzung von Wissenschaftlern nicht, dass Aktien weiter einbrechen. "Leerverkäufer reagieren eher auf zurückliegende schlechte Nachrichten, als dass sie einen Kursverfall herbeiführen", sagt Arturo Bris, Wissenschaftler am Yale Center for Finance, in einer Studie.

Ein Leerverkauf ist eine Wette darauf, dass die entsprechende Aktie weiter an Wert verlieren wird (siehe "Auf fallende Kurse spekulieren"). Diese Wetten verstärken nach traditioneller Haltung die Abwärtsbewegung eines Aktienkurses. Nachdem etliche Banktitel im Zuge der Finanzkrise rasant gefallen waren, gerieten Leerverkäufer daher in Verdacht, den Kursverfall beschleunigt zu haben. Mitte September beschlossen deshalb die Aufsichtsbehörden von rund 20 Ländern, Leerverkäufe für Bankenaktien für einige Zeit zu verbieten oder einzuschränken.

Der Wissenschaftler Bris vom Yale Center for Finance hat nun die Kursentwicklung von Finanzaktien vor und nach dem ersten Verbot im Sommer in den USA untersucht. Er stellte fest, dass der Kursrutsch bis zum Verbot nicht auf die Leerverkäufe zurückzuführen war. Während des Verbots entwickelten sich die 19 Werte dann sogar schlechter als der Gesamtmarkt, weil Anleger sich massenweise von ihren Aktien trennten.

Weltweit ist das Verbot von Leerverkäufen ein Versuch der Behörden, der Finanzkrise Herr zu werden. Hintergrund war der Zusammenbruch von US-Banken, die vor dem Kollaps in wenigen Tagen 90 Prozent an Wert verloren hatten. In den USA, die bereits im Sommer ein paar Wochen eine ähnliche Maßnahme ergriffen hatten, führte das temporäre Verbot für 950 Finanzwerte in den vergangenen 14 Tagen nicht zum Erfolg. So brachen die Papiere von einigen Banken aus der zweiten Reihe in der zurückliegenden Woche um mehr als 70 Prozent ein. Zudem stellte sich die viertgrößte Bank nach Einlagen, Wachovia, angesichts eines anhaltenden Kursverfalls selbst zum Verkauf. Nachdem die US-Regierung nun ein Rettungspaket für die Banken beschlossen hat, soll das Leerverkaufsverbot an Wall Street am Mittwoch enden.

Seite 1:

Leerverkaufsverbot bringt nichts

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%