Neues Gesetz stärkt Finanzaufsicht
Briten schützen ihren Finanzplatz

Die britische Regierung will per Gesetz verhindern, dass die strengen Regeln der US-Wertpapieraufsicht durch eine Übernahme der Londoner Börse (LSE) auch in Großbritannien Einzug halten. Zu diesem Zweck soll die britische Finanzaufsicht FSA ein Vetorecht für alle geplanten Änderungen der Börsenregulierung erhalten. Damit könnte die FSA zur entscheidenden Instanz bei der möglichen Übernahme der LSE durch den US-Konkurrenten Nasdaq werden.

mm LONDON. Finanzstaatssekretär Ed Balls kündigte gestern an, die britische Finanzaufsicht werde das Recht bekommen, jede Regeländerung zu verhindern, die „überproportionale“ Auswirkungen auf den Finanzplatz London habe. Das gelte vor allem für Änderungen, die den liberalen Regulierungsansatz beträfen, der viel zum Erfolg der LSE in den vergangenen Jahren beigetragen habe.

Die LSE hat im März dieses Jahres ein Übernahmeangebot der Nasdaq abgelehnt. Seither hat sich die US–Technologiebörse aber einen Anteil von mehr als 25 Prozent an der Londoner Börse zusammengekauft. Ab Anfang Oktober könnte die Nasdaq nach britischem Übernahmerecht eine neue Offerte vorlegen.

Die Übernahmepläne schüren die Furcht, dass die strengen US-Regeln nach dem so genannten Sarbanes Oxley Act nach einem Verkauf der LSE auch in London gelten könnten.

Bei Sarbanes und Oxley handelt es sich um zwei US-Senatoren, deren Namen für die scharfen Börsengesetze in den USA stehen. Im Jahr 2002, nach den Skandalen um Enron und Worldcom verabschiedet, sollten die neuen Regeln für mehr Kontrolle und Transparenz sorgen. Doch die Gesetze greifen so tief in Führung und Kontrolle der Unternehmen ein, dass die Klagen über hohe Kosten und enormen bürokratischen Aufwand immer lauter werden.

In den vergangenen Jahren lockte die LSE mit einer geschickten Geschäftspolitik immer mehr internationale Unternehmen an den Londoner Aktienmarkt. Vor allem Konzerne aus Russland, Indien und China entschieden sich für einen Börsengang an der Themse, um auf diese Weise den Sarbanes Oxley Act zu umgehen.

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