„New Connect“
Warschau lockt kleine Firmen

Mit einem neuen Handelssegment will die Warschauer Börse dem großen Interesse kleiner und mittelgroßer Unternehmen an einem Börsengang entgegenkommen. Mit dem Angebot reagiert sie auf einen klar erkennbaren Trend.

WARSCHAU. Der neue Markt der Warschauer Börse mit dem Namen „New Connect“ soll ertragsstarken Gesellschaften mit einem Marktwert zwischen zwei und fünf Mill. Euro die Chancen des Aktienmarkts bieten. „Stoßen sie bei den Anlegern auf Vertrauen, können sie möglichst schnell zum Hauptmarkt wechseln“, sagt Börsenchef Ludwik Sobolewski. Er geht davon aus, dass in den nächsten Jahren Hunderte Unternehmen von dieser Einstiegshilfe Gebrauch machen werden. Auf dem Kurszettel des Hauptmarkts stehen derzeit 300 Unternehmen.

Mit dem Angebot reagiert die Börse auf einen klar erkennbaren Trend. „Ich weiß von vielen Gesellschaften, dass sie an die Börse wollen“, berichtet Wieslaw Rozlucki, früher Börsenchef und jetzt Spitzenmanager beim Ölkonzern PKN Orlen. Analysten wie Jacek Socha von Pricewaterhouse-Coopers gehen davon aus, dass es in diesem Jahr bis zu 120 Neuzulassungen an der Börse geben wird. „Warschau wird zum Zentrum des Kapitalmarkts in Mittel- und Osteuropa“, meint Socha.

Dabei wird das Börsengeschäft vor allem durch das große Interesse einheimischer und ausländischer Kleinaktionäre angetrieben, die ihr Geld in den großen Investmentfonds anlegen. Der Analyst Roland Paszkiewicz von der Bank Pekao schätzt, dass die von den Fonds gegenwärtig verwalteten polnischen Aktien einen Gesamtwert von 123 Mrd. Zloty (gut 32 Mrd. Euro) haben. „Dieser gewaltige Strom treibt die Kurse nach oben“, sagt Paszkiewicz.

Ein Blick auf die Kursentwicklung bestätigt diese Einschätzung. Seit Jahresbeginn hat der Warschauer Hauptindex WIG um knapp 25 Prozent auf ein Rekordhoch zugelegt. Analysten wie Adam Korecki vom Warschauer Maklerbüro TMS Brokers sehen auch für die nächsten Monate erhebliches Kurspotenzial.

Wichtigste Basis für das Vertrauen internationaler Anleger in den Warschauer Kapitalmarkt ist die gute Konjunktur der polnischen Wirtschaft mit Wachstumsraten um die sechs Prozent. Motor des Wachstums sind vor allem die Investitionen und die private Nachfrage. Aber auch der polnische Export, der hauptsächlich in die Europäische Union (EU) fließt, gibt kräftige Impulse. Mehr und mehr geht Polen mit technisch höherwertigen Gütern auf die westlichen Märkte.

Wie sehr die Warschauer Börse an Bedeutung gewinnt, zeigt auch der wachsende Anteil der Börsenkapitalisierung am gesamten polnischen Bruttoinlandsprodukt. Betrug dieser Anteil beim Beitritt Polens zur EU im Mai 2004 knapp 20 Prozent, so liegt er inzwischen bei gut 40 Prozent oder in absoluten Zahlen bei 550 Mrd. Zloty. Natürlich ist es noch ein weiter Weg bis zu Verhältnissen wie in Großbritannien oder Frankreich, wo die Börsenkapitalisierung höher als das Bruttoinlandsprodukt ist. Immerhin hat Warschau Börsenplätze wie Budapest mit einer Kapitalisierung von umgerechnet 120 Mrd. Zloty weit hinter sich gelassen.

Etwa die Hälfte des Marktwerts der Warschauer Börse entfällt auf die 13 dort notierten ausländischen Gesellschaften wie verschiedene westliche Banken oder auch der ungarische Ölkonzern MOL. Jüngster Neuzugang ist der österreichische Bauentwickler Immoeast, der auf den Immobilienmärkten Polens und anderer Länder der Region aktiv ist.

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