Nutznießer sind Aktionäre
Fusionsfieber treibt Preise

Eine Welle feindlicher Übernahmen rollt. „Sie wird sich weltweit weiter verstärken“, urteilt Peter Kollmann, einer der beiden Leiter des deutschen Investment-Bankings von Merrill Lynch.

FRANKFURT. Bereits heute addiert sich der Wert der angekündigten Akquisitionen deutscher Konzerne im Ausland in 2006 auf über 85 Mrd. Dollar, darunter große feindliche Übernahmen, wie der Finanzdatenanbieter Thomson Financial errechnet. Das ist mehr als doppelt so viel wie in den zwölf Monaten des vergangenen Jahres.

Die Aktionäre profitieren vom Übernahmefieber, wenn ihnen das Unternehmen gehört, das in die Enge getrieben wird. Sie schlagen im Durchschnitt eine Prämie von 32,40 Prozent heraus, bevor sie ihre Anteilsscheine verkaufen. Das hat Thomson Financial bei feindlichen Übernahmen im Volumen über einer Mrd. Dollar seit Anfang 2003 errechnet. Im jüngsten Fall des britischen Gaseherstellers BOC war es noch mehr. Mit 16 Pfund je Anteil musste Linde als Käufer einen Aufschlag von knapp 40 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate bieten, bevor das Management weich wurde. Für Konzernchef Tony Isaacs war dies eine Entscheidung für die Aktionäre. „Diesen Aktienkurs hätten wir kurz- bis mittelfristig aus eigener Kraft nicht erzielen können“, sagte er dem Handelsblatt.

Doch Linde ist nicht der einzige heimische Spieler, der sich aus der Deckung wagt. Denn „der Druck auf die deutschen Konzerne, sich weltweit aufzustellen, ist sehr groß geworden“, sagt John Jetter, Deutschlandchef von JP Morgan. Das gelte auch für die Firmen aus dem Nebenwerteindex MDax. Aktuell mischt etwa die Ludwigshafener BASF mit, die den US-Spezialchemiehersteller Engelhard für 37 Doller je Aktie schlucken will. Die Chance auf eine Aufstockung ist gut. In sechs von zehn Fällen würden die Angebote noch einmal erhöht, hat Merrill Lynch errechnet, nachdem die Investmentbank die wichtigsten feindlichen Übernahmen der vergangenen zehn Jahre ausgewertet hat. Nach Kollmanns Worten versuchen die Vorstände der angegriffenen Unternehmen zudem, die Attraktivität ihrer Firma zu erhöhen. Das geschehe über Aktienrückkäufe und Sonderdividenden. Vielfach werde auch die normale Dividende erhöht wie bei Arcelor-Konzern, den Mittal Steel kaufen will – im Durchschnitt steigt sie um 43 Prozent. An die Aktionäre würden 18 Prozent der gebotenen Kaufpreises über die verschiedenen Maßnahmen ausgeschüttet.

Die Chancen der Unternehmen, einen Übernahmeversuch abzuwehren, ist nicht schlecht. In etwa 40 Prozent gelingt dies. So scheiterte 2006 der Investor Macquarie mit der Offerte für die Londoner Börse, da Kurs zu schnell gestiegen war und eine Erhöhung nicht mehr sinnvoll erschien. Aber auch die Politik spielt eine wichtige Rolle wie im Fall des Versorgers Eon, der Endesa übernehmen will. Die spanische Regierung sperrt sich jedoch dagegen. Für Edgar Klein, Partner der Unternehmensberatung Deloitte, steht indes fest, dass der „Trend zu stärkeren europäischen Firmen unaufhaltsam ist“.

Zu den Top-Spielern auf der Verteidigerseite seit Anfang 2005 gehören laut Datenanbieter Dealogic neben Merrill Lynch, UBS, Morgan Stanley, JP Morgan und Deutsche Bank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%