Österreich
Meinl-Tochter fliegt aus Top-Börsensegment

In Wien fliegt zum ersten Mal ein Unternehmen wegen schwerer Mängel in seiner Informationspolitik aus dem Top-Segment der Börse: Der jähe Sturz des Immobilienentwicklers Mein European Land (MEL) hat das Zeug zum dritten Finanzskandal in Österreich in zwei Jahren.

WIEN. MEL habe „durch unzureichende Information Interessen des Prime Markets und dessen Teilnehmer verletzt“, teilte die Wiener Börse AG am Freitagmorgen mit und begründete damit den Auschluss des Unternehmens aus dem Prime Market, wo die Papiere erst seit dem 20. August notiert waren. Der Prime Market ist das Marktsegment der Wiener Börse, in dem Aktien von Gesellschaften aufgenommen werden, welche sich über die gesetzlichen Bestimmungen des Börsegesetzes hinaus dazu verpflichten, höhere Transparenz-, Qualitäts- und Publizitätskriterien einzuhalten. An der Notierung von MEL im amtlichen Handel ändert der Rauswurf nichts.

Der Entscheidung vorausgegangen ist ein Fall, der das Zeug dazu hat, Österreich nach Bilanzmanipulationen bei der Kärntner Hypo Alpe Adria Gruppe und nach der Fast–Pleite der ehemaligen Gewerkschaftsbank Bawag den dritten Bankenskandal in zwei Jahren zu liefern. MEL ist eng verbunden mit der österreichischen Meinl-Bank und war in dieser Woche wegen irreführender Signale an ihre Aktionäre von der österreichischen Finanzmarktaufsicht zu einer Geldbuße verurteilt worden.

Der zentrale Vorwurf gegen MEL lautet, dass die Gesellschaft vor dem Hintergrund der aufziehenden Immobilienkrise eigene Aktien massiv zurückgekauft hat, ohne dies ihren Anlegern mitzuteilen. Wie der Deal finanziert wurde ist noch unklar. Nicht zuletzt deswegen laufen noch weitere Untersuchungen der Finanzmarktaufsicht bei der Meinl-Bank selbst.

Die Meinl-Bank unter Vorsitz des Gründersprosses Julius Meinl V. ist in ihrer heutigen Form vor fünf Jahren aus der ehemaligen Lebensmittelkette Julius Meinl hervorgegangen. Das Institut mit 180 Mitarbeitern, in der die Familie Meinl bis heute das Sagen hat, versteht sich als Vermögensverwalter und Investmentbank. Sie betreut betuchte Kunden, die zusammen laut jüngsten Jahresgeschäftsbericht rund 15 Mrd. Euro verwalten lassen.

Daneben ist die Bank, die Ende 2006 eine Bilanzsumme von 5,6 Mrd. Euro aufwies, an der Gründung zahlreicher Private-Equity-Fonds beteiligt, die unter dem Namen Meinl Gelder bei Investoren einsammeln, um es in diverse Anlageprojekte zu stecken. So entwickelt MEL Gewerbeimmobilien in Zentral- und Osteuropa, Meinl International Airport investiert in Flughäfen und Meinl International Power, die vom ehemaligen österreichischen Finanzminister Kark-Heinz Grasser gemanagt wird, beteiligt sich an Energieprojekten.

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