Offenlegung der Vorstandsgehälter gefordert
DSW verlangt höhere Dividenden

Aktionärsschützer bemängeln Ausschüttungspolitik der Dax-30-Konzerne und fordern stärkere Transparenz.

wb FRANKFURT/M. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt sich unzufrieden mit der Dividendenpolitik deutscher Konzerne. „Die Gewinne der im Dax 30 notierten Unternehmen sind 2003 um rund 30 % gestiegen. Leider konnten die Dividendenausschüttungen hier nicht mithalten. Mit rund 10,5 Mrd. Euro bekommen die Aktionäre nur etwa 6 % mehr“, bemängelt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

Damit entferne sich die Realität noch ein Stück weiter von dem DSW-Ziel, dass zumindest die so genannte alte Industrie 50 % ihrer Gewinn ausschütten sollte. In den vergangenen Jahren habe die Quote bei nur 35 % gelegen. Nun drohe sie sogar noch zu sinken.

Neben der Forderung nach „vernünftigen Dividenden“ hat sich die DSW für die diesjährige Hauptver sammlungs-Saison eine größere Transparenz der Unternehmen auf die Fahne geschrieben. Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist die Offenlegung der Vorstandsgehälter, die der Corporate-Governance-Kodex seit Mitte 2003 empfiehlt. Dass bislang nur zehn der 30 Dax-Unternehmen dazu bereit sind, hält Hocker für aktionärsfeindlich und unsinnig: „Wenn die Einsicht in deutschen Vorstandsetagen nicht wächst, werden die Unternehmen sich bald mit einem Gesetz zu diesem Thema konfrontiert sehen.“ Signale – auch aus Brüssel im Zusammenhang mit dem Aktionsplan Finanzdienstleistungen – deuteten darauf hin, das es schon 2005 so weit sein könnte.

Die öffentliche Diskussion sei ohnehin längst einen Schritt weiter: „Im Bereich der Altersruhegelder für Vorstände geht die Durchschaubarkeit in Deutschland gegen Null.“ In den Geschäftsberichten sei zumeist nur eine Gesamtsumme ausgewiesen – selbst „Angaben zur Zahl der Anspruchsberechtigten sucht man vergeblich“.

Unter die Lupe nehmen wollen die Aktionärsschützer zudem die tatsächliche Bereitschaft der Unternehmen, der Corporate-Governance- Empfehlung zur Prüfung der Auf- sichtsrats-Effizienz nachzukommen. Empfindliche Stellen dürften überdies ihre Fragen nach den eingesetzten Unternehmensberatern und den an sie vergebenen Auftragsvolumen treffen.

Nicht zuletzt wollen die DSW- Sprecher einigen Vorständen in den Hauptversammlungen individuell auf den Pelz rücken. So sollen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und Daimler-Chrysler-Boss Jürgen Schrempp das Toll-Collect-Desaster kommentieren. Mit Verweis auf die glücklose Liaison mit Mitsubishi und das Dauer-Debakel bei Chrysler soll Schrempp zudem keine Entlastung erhalten. Auch seinen Aufsichtsrat will die DSW nicht entlasten – weil er Schrempps Vertrag vorzeitig um fünf Jahre verlängert hat.

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