Palästinensische Börse
Hoffen auf den Boom im Westjordanland

In Nablus wird nur drei Stunden täglich von Sonntag bis Donnerstag gehandelt. Ganze zehn Händler sind registriert. Dennoch hofft man an der einzigen palästinensischen Börse auf eine goldene Zukunft.
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NablusNablus liegt im nördlichen Westjordanland. Noch sind wenige Firmen gelistet, und die unsichere politische Situation schreckt Investoren ab. Dennoch hoffen Mitarbeiter der Palestine Exchange auf eine goldene Zukunft. Es ist gerade einmal Mittag, aber Ahmad Aweidah kann sich schon entspannt in seinem Schreibtischstuhl zurücklehnen: „Es war ein guter Tag“, urteilt der Vorstandsvorsitzende der Palestine Exchange (PEX), des einzigen Börsenplatzes in den Palästinensischen Autonomiegebieten. Um ein Prozent ist der Al-Quds-Index, so etwas wie der palästinensische Dax, heute gestiegen. Ein Fazit kann sich Aweidah stets um die Mittagszeit erlauben: Bereits um 13 Uhr schließt das System.

Nur drei Stunden wird täglich von Sonntag bis Donnerstag in Nablus gehandelt, zehn Händler sind registriert - das belegt die bislang geringe Bedeutung des Börsenplatzes. „Für unsere Verhältnisse reichen die Öffnungszeiten bei weitem aus“, sagt Aweidah. Gerade einmal 46 Firmen sind notiert, an der Frankfurter Börse sind es mehr als 1000.

Kurz nachdem Börsenchef Aweidah sein Amt im Juni 2008 angetreten hatte, musste die Palestine Exchange durch schwere Zeiten gehen. Zuerst schwappten Ausläufer der weltweiten Finanzkrise auch bis in das Westjordanland, dann folgte um den Jahreswechsel 2008/2009 der Krieg im Gazastreifen - und im vergangenen Jahr wackelte auch noch die Dubai Holding, in der Firmenanteile des wirtschaftsstarken Emirats gebündelt sind. „Das hatte sicherlich den größten Einfluss auf die arabischen Märkte“, sagt Aweidah. Viele Investoren, die auch in andere arabische Länder investiert hatten, seien verunsichert.

Auch jetzt leidet der Handel wieder unter den politischen Konflikten. Erst die Terroranschläge im Süden Israels, dann die Feindseligkeiten zwischen Israelis und radikalislamischen Kämpfern im Gazastreifen und im September der angekündigte Antrag der Palästinenser auf Aufnahme in die Vereinten Nationen. Und natürlich die weltweiten Börsenturbulenzen. „Im August war der Handel wegen des Ramadans sehr mäßig und auch im September erwarten wir wegen der möglichen Folgen des UN-Antrags keine großen Umsätze“, sagte Aweidah. Aber Juni und Juli seien sehr gute Monate gewesen. Der Al-Quds-Index ist bekannt für seinen Zick-Zack-Kurs.

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