Panikverkäufe an der Börse nach Festnahme des Ölmagnaten Chodorkowski
Das Misstrauen kehrt zurück

Die Festnahme des Chefs des größten russischen Ölkonzerns, Yukos, Michail Chodorkowski, hat am Montag an den Finanzmärkten des Landes zu Panikverkäufen geführt. Nach einem dramatischen Einbruch bei Yukos musste der Handel an der Börse zeitweise ausgesetzt werden.

dih/mbr/rad/scc MOSKAU. Experten befürchten, in Russland könne eine Kapitalflucht einsetzen, sollte im Zuge der Ermittlungen die vor einigen Jahren privatisierte Yukos wieder unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Chodorkowski war am Samstag wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Steuerhinterziehung festgenommen worden.

Präsident Wladimir Putin versuchte, die Investoren zu beruhigen, und warnte davor, aus Angst vor einer Verstaatlichung von Yukos in Hysterie zu verfallen. Die Festnahme gefährdet Experten zufolge die Bemühungen Putins, bei Investoren Vertrauen zu schaffen. „Die Inhaftierung von Chodorkowski ist ein erbärmlicher Rückfall Russlands in die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion“, erklärte die russische Bank United Financial Group. In jüngster Zeit hatten Investoren wieder Vertrauen in Russland gefasst. Die Börse erreichte ein Allzeithoch. Erst Anfang des Monats hatte die Ratingagentur Moody’s Russland auf ein Investment-Rating (Baa3) heraufgestuft, das für viele institutionelle Anleger eine wichtige Voraussetzung für Investitionen in einem Land ist. In der ersten Jahreshälfte verzeichnete das Land erstmals seit 1991 einen Netto-Kapitalzufluss. Mittlerweile hat jedoch die seit Monaten schwelende Yukos-Affäre die Kapitalflucht wieder verstärkt. Im dritten Quartal haben Russen 7,7 Mrd. Dollar ins Ausland transferiert, mehr als dreimal so viel wie in der gleichen Vorjahresperiode, zeigen Zahlen der Zentralbank.

Isaac Tabor, Bond-Stratege bei Merrill Lynch & Co. in London, bilanziert: „Die Erholung beruht größtenteils auf Investments aus dem Ausland. Das ist keine gute Nachricht.“ Dietmar Hornung, Volkswirt der Dekabank, meint sogar: „Jetzt ist die Luft in Russland erst einmal raus. Natürlich war die Festnahme Anlass für den Kurssturz, nach den zuletzt kräftigen Kursanstiegen haben die Anleger die Gelegenheit aber auch zu Gewinnmitnahmen genutzt.“

Nicht alle sind so pessimistisch. „Wir kaufen gerade“, sagt Fondsmanagerin Angelika Millendorfer von der in Osteuropa stark engagierten Wiener Raiffeisen Capital Management. Sie rechnet damit, dass es nun noch „ein paar nervöse Tage gibt“. Danach werde der russische Markt aber wieder attraktiv erscheinen.

Dieser Ansicht ist offenbar auch die Metro, die seit zwei Jahren mit Großmärkten in Moskau und St. Petersburg vertreten ist. „Wir haben ein sehr erfolgreiches Engagement in Russland und sind mit der Geschäftsentwicklung sehr zufrieden, ergo auch mit den politischen Rahmenbedingungen“, sagte ein Sprecher.

Quelle: Handelsblatt

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