Pessimistische Marktbeobachter
Dax-Ausblick: Im Würgegriff der Krise

Die Finanzmarktkrise lähmt nicht nur den Geldfluss zwischen den Banken. Anleger reagieren mal panisch, mal vorsichtig optimistisch auf jede Nachricht aus dem Bankensektor und der Politik. Die Märkte dürften auch in der kommenden Woche stark schwanken, glauben Beobachter.

HB FRANKFURT. Beherrschendes Thema in der kommenden Woche dürfte das US-Rettungspaket für den Finanzsektor bleiben. Es könnte allerdings durch eine mögliche Insolvenz des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate noch überlagert werden. Hoffnungen legen Experten auch auf mögliche Hilfen für Europa. „Man kann nicht mehr sagen, es ist ein amerikanisches Problem, wenn man sich anschaut, wie jetzt europäische Finanzhäuser umfallen“, sagt Aktienstratege Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Unabhängig von den Ergebnissen der Abstimmung im US-Repräsentantenhaus über das Rettungspaket für die Wall Street gehen die Marktbeobachter der Landesbank Berlin (LBB) grundsätzlich nicht von einer nachhaltigen Bodenbildung oder gar Trendwende am Aktienmarkt aus. „Die Unsicherheit bleibt insgesamt hoch“, schätzen die LBB-Analysten. Im Zuge der sich ausbreitenden Finanzkrise sind immer mehr europäische Institute in Schieflage geraten.

Für die im Dax notierte Hypo Real Estate musste von Bund und Banken ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt werden, das am Samstag vorerst gescheitert ist. Beim belgisch-niederländischen Geldhaus Fortis, beim Immobilienfinanzierer Dexia und der britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley kam es zu Teilverstaatlichungen. Das sorgte im Wochenverlauf für heftige Kursverluste an den Börsen. Der Dax fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief bei 5658 Punkten. Am Freitag nachmittag notierte der Leitindex rund sieben Prozent niedriger als vor einer Woche.

Die traditionsgemäß mit der Bilanz des US-Konzerns Alcoa am Dienstag startende Berichtssaison zum dritten Quartal wird Experten zufolge den Fokus der Anleger verstärkt auf zu hoch gesteckte Gewinnerwartungen lenken. „Nach unserer Einschätzung werden die Gewinnwarnungen in vielen Sektoren im dritten und vierten Quartal zunehmen“, schreiben die Strategen von ING Investment Management.

Am Freitag stehen die Zahlen von General Electric an. Der breit aufgestellte Mischkonzern hat bereits eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal abgegeben, was US-Multimilliardär Warren Buffett nicht daran hinderte, drei Milliarden Dollar in den Industriegiganten zu investieren.

Neue Hinweise zur heimischen Konjunkturentwicklung dürften am Dienstag die Daten zu den Auftragseingängen der Industrie im August geben. Am Mittwoch folgt die Statistik des produzierenden Gewerbes. „Die deutsche Industrie dürfte ihre Produktion im August weiter zurückgefahren haben“, prognostiziert Ralph Solveen von der Commerzbank. „Damit wäre so gut wie sicher, dass das reale Bruttoinlandsprodukt auch im dritten Quartal zurückgegangen ist, die an den Märkten allgemein verwendete Definition für eine Rezession wäre erfüllt.“ Als Rezession gelten zwei Quartale mit rückläufiger Wirtschaftsleistung hintereinander.

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