Pikante Details
Madoff: Lügen, Callgirls und Koks

Die Klage gegen den Milliardenbetrüger Bernard Madoff offenbart pikante Details von wilden Partys und Callgirls im Leben des ehemaligen Nasdaq-Chefs. Im Visier einer Anwaltskanzlei sind Familienmitgliedern Madoffs auch Banken und Wirtschaftsprüfer, die mit dem Betrüger Geschäfte gemacht haben.

FRANKFURT. Jahrelang gab's Schnee, nicht nur am Nordpol, sondern auch im 17. Stock des "Lippenstifts". Wenn Milliardenbetrüger Bernard Madoff und seine Manager Callgirls und Koks in das berühmte Hochhaus an der New Yorker Third Avenue kommen ließen. Dann servierten barbusige Kellnerinnen im String-Tanga Drinks, dann vergnügten sich verdiente Mitarbeiter nachts auf der Couch vom "Boss" mit jeder, die gerade greifbar war.

Madoff selber bevorzugte "Masseusen", deren Nummern er in seinem persönlichen Notizbuch hütete, auch wenn seine Vorliebe für hübsche Damen kein Geheimnis war. Es war eben nur die dunkle Seite des respektablen Wall-Street-Managers, der sich als Ex-Nasdaq-Chef, Mäzen und Wohltäter einen Namen gemacht hatte - und mit seinem goldenem Händchen Geld und Gewinne nur so strömen ließ. Vor allem in seine eigenen Taschen und die seiner engsten Geschäftspartner, sagt die kalifornische Anwaltskanzlei Cotchett, Pitre und McCarthy, die bei ihren Recherchen auch auf jene schlüpfrigen Details im "Lippenstift" stießen.

Auf fast 300 Seiten klagen sie vor dem obersten New Yorker Gericht gegen Madoffs Söhne, seinen Bruder, leitende Angestellte und gegen zahlreiche Geschäftspartner. Darunter die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die Banken JP Morgan Chase und Bank of New York Mellon, sowie den Versicherer Massachusetts Mutual Life Insurance, die Muttergesellschaft der Oppenheimer und Tremont Fonds, die ebenfalls im Visier der Kläger sind. Die Dachfonds sollen Madoff nie überprüft, die Banken seine Transaktionen nicht verdächtig gefunden und KPMG bei der Prüfung der Madoff-Bücher versagt haben.

JP Morgan Chase wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, KPMG, Mass Mutual und Tremont wiesen die Anschuldigungen als falsch zurück. Die Bank Mellon war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Sie alle sollen eine unrühmliche Rolle in jenem Wirtschaftskrimi gespielt haben, der Ende Dezember die amerikanische Finanzwelt erschütterte und mit einem Schaden von etwa 65 Mrd. Dollar als größter Kapitalanlagebetrug aller Zeiten gilt. Madoffs Erfolg war nichts weiter als ein gigantisches Schneeballsystem. Ende Juni verurteilte ihn dafür ein Gericht zu 150 Jahren Gefängnis. Die sitzt der 71-Jährige im Gefängnis von North Carolina ab, acht Autostunden südlich von New York.

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