Plattform
Tradelink greift Börsen an

Die außerbörsliche Handelsplattform Tradelink will mit einem neuen Angebot den etablierten Börsen im boomenden Geschäft mit Derivaten Konkurrenz machen. „Wir wollen in einem Jahr zehn Prozent der Umsätze der Börsen erreichen, in drei Jahren 30 Prozent“, sagte Albrecht Martens, Vorstandschef des Tradelink-Betreibers Transactionsolutions am Donnerstag in Frankfurt.

HB FRANKFURT. Privatanleger, die über die Plattform direkt mit dem Emittenten – etwa eines Optionsscheines – handeln, sollen mit dem Wegfall der an der Börse fälligen Maklergebühr angelockt werden. Das neue Angebot, das in diesen Tagen startet, bietet auch die Möglichkeit, wie an Börsen limitierte Orders aufzugeben. Anlegerschützer warnen aber, das System sei wegen des fehlenden Börsenstatus nur für erfahrene Anleger geeignet. Zunächst bietet der Direktbroker Cortal Consors Tradelink-Zugang an.

Tradelink dringt in einen insgesamt 75 Mrd. Euro großen Markt ein, der im vergangenen Jahr um satte 40 Prozent wuchs. Der Handel mit verbrieften Derivaten findet heute schon zu 60 Prozent außerbörslich statt. Dieser Anteil soll nach Martens Vorstellungen noch größer werden. Er will einen Teil der im November vor allem an den Börsen Stuttgart und Frankfurt gehandelten Volumina von 6,8 Mrd. Euro anziehen. Dazu setzt die Plattform auf das Limitordersystem. Der Anleger kann zum Beispiel über Consors den Auftrag zum Kauf eines Zertifikates zu einem bestimmten Preis abgeben. Das System holt dann einen verbindlichen Angebotspreis beim Emittenten des Zertifikates ein, den der Anleger dann per Mausklick bestätigen muss.

Anders als bei ähnlichen, bankeigenen Limitsystemen soll mit diesem externen Verfahren ausgeschlossen werden, dass der Emittent die Orderlage sehen und somit für ihn vorteilhafte Preise stellen kann. Als Emittenten sind zunächst HSBC, die Hypo-Vereinsbank, Lang & Schwarz sowie Société Générale vertreten. Günstigere Ausführungsgebühren kann Tradelink den Anlegern unter anderem bieten, weil es ohne die Kosten einer echten Börse, etwa für die Handelsaufsicht, auskommt. „Es wird sich zeigen, wie viel den Anlegern eine Aufsicht wirklich wert ist“, beschreibt Martens das Wettbewerbsverhältnis mit den Börsen. Das System habe die Vorstellung bei der Finanzmarktaufsicht BaFin und der Börsenaufsicht problemlos passiert.

Aktionärsschützer raten vor allem unerfahrenen Anlegern zur Vorsicht: „Wenn etwas schief geht, muss man den privatrechtlichen Klageweg beschreiten, und das ist schwer“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Aktionärsschutzvereinigung DSW. In die selbe Kerbe schlägt der Tradelink-Konkurrent Börse Stuttgart. Anders als bei außerbörslichen Systemen könne der Anleger beim Handel über die Börse die Korrektheit der Preisbildung anhand der veröffentlichten Daten selbst kontrollieren. ben

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