Pleiteaktien
Anleger spielen mit dem Feuer

Mit den Aktien insolventer Unternehmen wird an der Börse wild spekuliert. Zwar warnen Experten vor den Wetten auf Pleiteaktien. Doch die riskanten Papiere faszinieren die Börsencommunity. Das zeigt einmal mehr der Fall des insolventen Modekonzerns Escada. Was hinter den mysteriösen Kursausschlägen steckt.
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FRANKFURT. Es klingt nach einem Börsenmärchen. Als bekannt wird, dass die indische Stahlfamilie Mittal Escada kaufen will, schießt die Aktie des insolventen Modekonzerns nach oben. Die Aktie, die am vorherigen Handelstag noch bei 70 Cent lag, klettert innerhalb kurzer Zeit bis auf zwei Euro. Ein Plus von knapp 200 Prozent. Doch das Märchen währt nur kurz. Keine zwei Handelstage später sind die Gewinne verpufft; ganz so, als wäre nichts gewesen. Aber das stimmt nicht, viel Geld hat den Besitzer gewechselt.

Es ist dasselbe riskante Spiel wie bei vielen Pleiteaktien. Sobald erste Gerüchte aufkommen, ein Unternehmen stünde vor der Pleite, sind sie da: die Zocker und Glücksritter. Sie stürzen sich auf Aktien, bei denen jeder langfristig orientierte Investor schon die Hoffnung aufgegeben hat. Meist sind die Papiere schon zu Pennystocks verkommen. Wer dann noch einsteigt, hofft, mit kleinem Einsatz viel zu gewinnen. Doch bei diesem Spiel gibt es fast nur Verlierer.

Wenig Transparenz, viel Spekulation

"Dahinter steckt allein die Wette auf schnelle Spekulationsgewinne. Das funktioniert aber nur in den seltensten Fällen", sagt Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Cabras rät Anlegern, die Finger von Pleiteaktien zu lassen. Allein schon, weil bei einer insolventen Aktiengesellschaft jegliche Transparenz fehle. Die Kontroll- oder Veröffentlichungspflichten, denen ein börsennotiertes Unternehmen normalerweise unterworfen wäre, seien außer Kraft gesetzt.

Spätestens wenn eine Firma den Insolvenzantrag stellt, ist eigentlich klar: für die Aktionäre ist nicht mehr viel zu holen. Und doch sind es die Aktien von Pleiteunternehmen, über die in Internetforen regelmäßig am heftigsten debattiert wird. Besonders beliebt sind aktuell die Papiere der gestrauchelten US-Finanzkonzerne: CIT Group, Washington Mutual, Ambac.

Zu Escada zählt das Forum einer großen deutschen Börsencommunity fast 5 000 Einträge, Tendenz steigend. Parallel dazu entwickelt sich ein reger Handel an der Börse. Allein am vergangenen Montag betrug der Umsatz mit Escada knapp 40 Millionen Euro. Zum Vergleich: In den letzten zwölf Monaten wurden täglich im Schnitt gerade einmal Papiere im Wert von rund 550 000 Euro gehandelt. Aber wer sind die Leute, die den Kurs bewegen? Eine Münchener Rechtsanwältin sagt: "Entweder zockt da jemand. Oder es ist jemand, der nicht verstanden hat, worum es geht."

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Kommentare zu " Pleiteaktien: Anleger spielen mit dem Feuer"

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  • Es scheint als hätte das Management des Unternehmens im Fall ESCADA seine Pflicht versäumt die Aktie als wertlos zu deklarieren! Deklarationspflicht besteht doch weiterhin bzw. insbesondere auch während einer insolvenz oder in Zusammenhang mit dem Verkauf von Unternehmensteilen, was in diesem Artikel nicht erwähnt wird!? Es wäre hilfreich dazu eine Aussage von der Münchner Rechtsanwältin zu lesen.

  • in diesem Artikel ist gut beschrieben das nur die Vermögenswerte verkauft werden. Die börsenhülle ist damit quasi wertlos.
    Gruß Norbert Ledwig

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