Porsche
Staatsanwaltschaft nimmt Wiedeking ins Visier

Es war ein so eleganter Abgang: Wendelin Wiedeking verließ Porsche mit erhobenem Haupt, trotz des verlorenen Machtkampfes mit VW. Doch nun droht ein äußerst unangenehmes Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Wiedeking und Ex-Financhef Härter, weil sie womöglich beim VW-Kurs getrickst haben. Es gab bereits eine Razzia.

HB DÜSSELDORF. Die Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen den ehemaligen Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking sowie Ex-Finanzvorstand Holger Härter. Gegen die beiden bestehe ein Anfangsverdacht wegen Marktmanipulation und unerlaubter Weitergabe von Insiderinformationen. Anlass für die Ermittlungen sei eine Strafanzeige der Bundesfinanzaufsicht Bafin.

Eine Sprecherin der Bafin bestätigte die Anzeige. Die Behörde hatte die Ermittlungen gegen Porsche bereits im Oktober eingeleitet, Ende März allerdings eingestellt, weil es keine Hinweise auf ein Fehlverhalten gab. Im Mai habe es dann neue Hinweise gegeben, worauf die Bafin die Ermittlungen wieder aufgenommen habe und diesmal fündig geworden sei, sagte die Sprecherin. Daraufhin habe man in Stuttgart Strafanzeige gestellt, ermittle gleichzeitig aber auch selbst weiter. Über die Inhalte der Anzeige und die Art der Vorwürfe machte sie keine Angaben.

Porsche weist die erhobenen Vorwürfe zurück. Das Unternehmen zeigt sich gegenüber der Staatsanwaltschaft kooperationsbereit und unterstützt die ermittelnden Beamten in vollem Umfang, um zu einer schnellen Aufklärung beizutragen.

Die Beamten der Staatsanwaltschaft Stuttgart waren bereits aktiv: Am Donnerstagmorgen drangen sie mit richterlichen Durchsuchungsbeschlüssen am Verwaltungssitz der Unternehmen in Stuttgart-Zuffenhausen ein. Die Beamten durchsuchten Geschäftsräume der Unternehmen und beschlagnahmten dabei diverse geschäftliche Unterlagen.

Die VW-Aktie selbst ließ die Nachricht von den Ermittlungen der Justiz unberührt. Mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 145 Euro notierte das Papier zwar etwas schwächer. Am Vormittag war die Aktie im Tagestief allerdings schon bis auf 135 Euro gefallen.

Hintergrund des Falles sind die extremen Kursverzerrungen bei VW-Stammaktien im Herbst vergangenen Jahres. Während die Börsen weltweit im Zuge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in die Knie gingen, stiegen die im Dax notierten VW-Papiere ab Mitte März stark an. Anderthalb Monate führte die Aktie ein vollkommen irrationales Eigenleben, das am 27. und 28. Oktober in der wohl denkwürdigsten Kursexplosion in der Geschichte des deutschen Aktienmarktes gipfelte: Nachdem Porsche mitgeteilt hatte, dass man bereits 42 Prozent an VW halte und über Optionen Zugriff auf weitere 31,5 Prozent der Stämme habe, schossen die VW-Aktien binnen zwei Tagen um bis zu 500 Prozent nach oben. In der Spitze waren VW-Aktien an der Börse 1 005 Euro wert. Damit war der Wolfsburger Autobauer für kurze Zeit der teuerste Konzern der Welt.

Der rasante Kursanstieg der VW-Aktien erwischte viele Investoren auf dem falschen Fuß, die auf fallende Kurse der bereits als überteuert geltenden Papiere spekuliert hatten. Einige Hedge-Fonds erlitten Milliardenverluste, aber auch klassische Investmentfonds gerieten in den Strudel. Schon damals wurden Vorwürfe gegen Porsche laut. So beschuldigte der Geschäftsführer der Fondsgesellschaft DWS, Klaus Kaldemorgen, dass der Autobauer in unverantwortlicher Weise den VW-Kurs manipuliere und Anleger über sein Handeln im Unklaren lasse.

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