Pralle Unternehmenskassen: Aktien-Kaufrausch erfasst weltweit die Konzerne

Pralle Unternehmenskassen
Aktien-Kaufrausch erfasst weltweit die Konzerne

Die Krise ist vorbei, die Gewinne der Unternehmen sprudeln kräftig. US-Konzerne erwerben damit eigene Papiere, die Aktionäre profitieren doppelt. Doch wer in Aktien deutscher Konzerne investiert hat, ist meist der Dumme.
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DÜSSELDORF. Der amerikanische Chip-Hersteller Texas Instruments (TI) hat ein Problem der besonderen Art: Er schwimmt in Geld. Am 16. September öffnete der Konzern deshalb seine Tresore. In einer knappen Mitteilung kündigten die Amerikaner an, eine Milliarde Dollar des Gewinns als Dividende auszuschütten. Doch damit nicht genug: Obendrein will der Konzern eigene Aktien zurückkaufen - für insgesamt 7,5 Mrd. Dollar.

Die Aktionäre können sich also doppelt freuen. Der Rückkauf eigener Aktien steigert meist den Kurs, weil er sowohl das Angebot an Aktien verknappt, als auch den Gewinn pro Aktie erhöht. TI bemühe sich dauerhaft, "Werte direkt an unsere Aktionäre zurückzugeben", gab Konzernchef Rich Templeton zu Protokoll.

Auch andere Vorstandschefs verteilen Geld. Weltweit erwerben nach Handelsblatt-Berechnungen derzeit rund 3 000 Unternehmen eigene Aktien. Der Wert: knapp 400 Mrd. Euro. Vor einem Jahr summierten sich Rückkäufe und Ankündigungen noch auf weniger als 200 Mrd. Euro. Der Trend geht durch alle Branchen, ausgenommen sind nur die Banken, die ihr Eigenkapital erhöhen müssen.

Dass sich Aktienrückkäufe für die Anleger lohnen, lässt sich belegen. Bei US-Unternehmen, die im vergangenen Geschäftsjahr Aktien zurückgekauft haben, legte der Kurs laut dem Finanzdatenspezialisten Bloomberg im Schnitt um sieben Prozentpunkte stärker zu als der Gesamtindex S&P 500. Untersuchungen des Investmenthauses Morgan Stanley belegen, dass Rückkäufer ein Jahr nach der Ankündigung den Vergleichsindex um 13 Prozent geschlagen haben. Deshalb pochen viele Aktionäre auf Rückkäufe. Aber auch aus steuerlichen Gründen: Nach einer gewissen Haltefrist ist der nach einem Aktienrückkauf realisierte Kursgewinn, anders als die Dividende, in vielen Ländern steuerfrei.

Rasanter Anstieg in den USA

In den USA kündigten die Unternehmen in diesem Jahr Aktienrückkäufe im Gesamtvolumen von 258 Mrd. Dollar an. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Verfünffachung, wie aus Daten des US-Analysehauses Birinyi Associates hervorgeht. Einen derart rasanten Anstieg hat es seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2000 noch nie gegeben.

Allein die deutschen Unternehmen halten ihr Geld zusammen. Nach der Krise sind sie noch vorsichtig, meinen Analysten. "Das Geschäft vieler deutscher Firmen ist konjunkturabhängig, die Rezession sitzt ihnen noch in den Knochen", sagt Aktienrückkauf-Experte Gunnar Friede von der DWS, Deutschlands größter Fondsgesellschaft. Einstige große Rückkäufer, etwa der Autobauer Daimler, der Chemiehersteller BASF und der Münchener Mischkonzern Siemens, litten wegen ihres hohen Auslandsanteils ganz besonders unter der weltweiten Nachfrageschwäche. Die Firmengewinne der Dax-Konzerne brachen stärker ein als in jedem anderen großen Industrieland. "Deshalb dauert es lange, bis sie dem Aufschwung trauen und sich aus der Deckung wagen", sagt Friede. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen bei ihren Rückkäufen bisher auch kein glückliches Händchen bewiesen.

Dabei schwimmen gerade die deutschen Konzerne noch mehr im Geld als ihre amerikanischen Pendants. Nirgendwo sonst auf der Welt steigen die Firmengewinne so stark wie hierzulande. Die gute Nachfrage aus Schwellenländern macht sich vor allem beim Export-Vizeweltmeister bemerkbar. Allein im zweiten Quartal 2010 strichen die 30 Dax-Konzerne netto 17 Mrd. Euro ein, mehr als im gesamten Vorjahr. Im laufenden Geschäftsjahr dürften deutsche Unternehmen rund 70 Prozent mehr verdienen als 2009, prognostizieren Analysten. Ein Drittel der Firmen knüpft sogar schon wieder an die Rekordgewinne von 2007 an. VW etwa hält 24 Mrd. Euro Barreserven, Daimler 17 Mrd. Euro und Siemens 13 Mrd. Euro. Sie stehen damit auf den ersten drei Plätzen in der Euro-Zone.

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  • Aktienrückkäufe dienen vielfach nur der Kompensation für die Millionen an Aktien, die man den Direktoren als boni gratis aushändigte. in solchen Fällen ist der Effekt für den Kleinaktionär mithin gleich null.

  • Wir hatten vor etwa 100 Jahren eine heftige börsenkrise, weil die Unternehmen in der Wirtschaftskrise eigene Aktien zurückkauften. Der Gesetzgeber hat den Rückkauf eigener Aktien danach zwar limitiert, aber selbst auf Guthabenbasis kann der Rückkauf eigener Aktien enorme Probleme verursachen.

    Die börse ist keine Einbahnstraße und wie wir gerade erleben können, ist die Konjunktur ebenfalls keine Einbahnstraße. Durch den Rückkauf eigener Aktien werden enorme Hebelwirkungen produziert, die gerade in Wirtschaftskrisen sehr negative Auswirkungen haben können.

    Dann ist es mir schon wesentlich lieber, wenn sich die Deutsche bank AG mit der Postbank AG angeblich verzockt habe, wobei ich diese Meinung nicht teile.

  • Die Krise ist vorbei.........dumme Propaganda !
    Sie hat noch garnicht richtig angefangen !

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