Preisvorstellungen klaffen auseinander
„Zahl der Börsengänge nimmt zu“

Finanzexperten rechnen damit, dass im kommenden Jahr die Zahl der Börsengänge deutlich zunehmen und die Flaute beenden wird. Christoph Stanger, Managing Director von Goldman Sachs, und Thomas Meier, Fondsmanager von Union Investment, erwarten für Deutschland rund ein Dutzend Börsengänge (IPOs). Das sagten sie dem Handelsblatt im Rahmen eines Frankfurter Gesprächs.

HB FRANKFURT/M. Es gibt noch optimistischere Stimmen. Die Investmentbanker von UBS halten 20 bis 30 Neuemissionen für möglich. Die Experten der Zeitschrift „Going Public“ haben 25 Kandidaten für 2005 ausgemacht (siehe „Deutsche Börsenkandidaten“), darunter auch Arcor, die Festnetztochter des britischen Telekomkonzerns Vodafone. Bei einigen Firmen wie dem Autozulieferer Sick, dem Biotechnologieunternehmen Paion und dem Solarenergiewert PV Cristalox Solar sind die Vorbereitungen weit fortgeschritten.

Das Umfeld für Börsengänge in Deutschland bleibt aber schwierig. Denn die Preisvorstellungen von Verkäufern und Käufern liegen weit auseinander. Beteiligungsgesellschaften und Firmen sind nicht bereit, hohe Bewertungsabschläge hinzunehmen. Doch genau die werden von den großen deutschen Fondsgesellschaften gefordert.

Die IPO-Statistik für Deutschland fällt das zweite Jahr in Folge katastrophal aus. Nach null Börsengängen im Jahr 2003 schafften in diesem Jahr gerade einmal sechs Kandidaten den Sprung auf das Parkett. Nur die Postbank und Wincor Nixdorf brachten es auf ein nennenswertes Volumen. Gleichzeitig hagelte es Absagen, etwa von Hapag-Lloyd, Tank & Rast, Autoteile Unger und Siltronic. Anfang des Jahres hatten Banken im Schnitt noch mit 15 bis 20 Emissionen gerechnet. Europaweit sieht die Bilanz deutlich freundlicher aus. Die Investmentbank Goldman Sachs zählt bislang 31 Börsengänge mit einem Volumen von jeweils über 150 Mill. Euro. Im nächsten Jahr wird nach Ansicht von Stanger das Gewicht der Börseneinführungen in Europa weiter zunehmen.

Trotz der aktuellen Tristesse in Deutschland gibt es Gründe für die Zuversicht: Die großen Finanzinvestoren (Private Equity) suchten dringend nach Ausstiegsmöglichkeiten aus Unternehmensbeteiligungen, ein erheblicher Teil davon werde an die Börse kommen, glauben die UBS- Banker. „Langfristig wird rund die Hälfte der deutschen Börsengänge aus dem Portfolio von Finanzinvestoren kommen“, sagte auch Stanger. Hinter den Private- Equity-Häusern stehen Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen, die eine zweistellige Verzinsung ihres Kapitals erwarten. „In den Permira-Fonds haben sich inzwischen eine ganze Reihe von Beteiligungen zur Börsenreife entwickelt“, sagte Thomas Krenz, Deutschland-Chef der Beteiligungsgesellschaft bei dem Frankfurter Gespräch. Heißester Kandidat für einen Börsengang im Jahr 2005 aus den Permira-Fonds ist Premiere.

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