Prognosebörsen
Auf das richtige Pferd setzen

An Prognosebörsen wetten Anleger auf den Ausgang von Wahlen, Sport-Events oder wie das Wetter wird. Diese sogenannten „Prediction-Markets“ erhöhen die Wahrscheinlichkeit treffsichererer Vorhersagen und machen Meinungsforschern Konkurrenz.

FRANKFURT. An „Prediction-Markets“ werden die Meinungen möglichst vieler gut informierter Menschen über künftige Ereignisse in Form von Kontrakten gehandelt. Hierdurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit treffsichererer Vorhersagen, weshalb die Wissenschaft in den Prognosebörsen eine Konkurrenz für Meinungsforscher sieht. „Niemand allein ist so klug wie wir alle zusammen“, sagt Emile Servan-Schreiber, Vorstandschef der US-Prognosebörse News Futures.

Börsengehandelte Wetten auf Wahlen, Konjunkturdaten, Sportresultate, Wetter oder das Potenzial neuer Markenprodukte senken die Kosten von Fehlprognosen. Solche Event-Börsen sind auf Initiative von Universitäten im Rahmen von Lehraufträgen entstanden – so auch die 1988 gegründeten Iowa Electronic Markets (IEM), die als Spross des Tippie College of Business der University of Iowa derzeit wegen ihrer Prognosen über den Ausgang der Präsidentenwahl in den USA Aufmerksamkeit findet.

Seit Beginn des Handels auf den Nachfolger von US-Präsident George Bush wurden über die IEM mehr als 1,65 Mill. Kontrakte allein auf den Ausgang der Vorwahlen gehandelt. Glaubt man den aktuellen Kursen, dann hat Hillary Clinton trotz jüngster Erfolge in Pennsylvania keine realistische Chance, als demokratische Kandidatin gegen den republikanischen Widersacher John McCain ins Rennen zu gehen.

Die Kurse der IEM-Kontrakte für die Kandidatur bei den Demokraten liegen für Clinton bei 17,1 und für Barack Obama bei 78,9 (siehe „Klare Ansage“). Im Dezember 2007 hatte der Markt Clinton noch eine 60-prozentige Chance eingeräumt. Die Akteure der von den Aufsichtsbehörden zugelassenen – jedoch nicht kontrollierten – Event-Börse - räumen den Demokraten eine 54,1-prozentige Chance auf den Wahlsieg im November ein.

An der IEM werden neben Politik- auch Informationskontrakte auf die Geldpolitik der US-Notenbank, Erträge der Computerbranche, Kinofilm-Erfolge oder den Kurs der Microsoft-Aktie gehandelt. Es habe sich gezeigt, dass solche Prognosebörsen eine wesentlich größere Treffsicherheit hätten als Vorhersagen einzelner Experten, Meinungsumfragen und Schätzungen offizieller Stellen, sagt Servan-Schreiber. Neben dem IEM und News Futures haben sich Märkte wie Intrade, Tradesports und Yahoo aufgestellt. Zudem haben sich Terminbörsen wie die CME oder Eurex mit Event-Derivaten auf Konjunktur-, Wetter und Immobiliendaten positioniert.

Bernd Ankenbrand, Gründer der deutschen Vorhersage-Plattform Gexid bricht diese Idee auf die Ebene einzelner Unternehmen herab. „Legt ein Unternehmen Wert auf den Schatz des in den Köpfen von Mitarbeitern versteckten Wissens, so sind Informationsderivate ein ideales Instrument“, sagt er. Wenn sich Mitarbeiter intensiv mit einem bestimmten Thema beschäftigen sollen, so reichten wenige Fragen auf elektronischen Informationsmärkten – etwa dem Intranet – aus.

So seien Mitarbeiter zu motivieren, Informationen am Markt zu sammeln und sich eine Meinung über Chancen neuer Produkte zu bilden. Es gehe dabei um eine möglichst exakte Prognose. So seien Risiken von Entscheidungen kalkulierbar. Entsprechende Erfahrungen hat Ankenbrand mit Gexid bei der Münchener Rück und bei Nokia gesammelt.

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