Prognosen für die kommende Börsenwoche
Dax-Ausblick: Käufer verzweifelt gesucht

Die Börsen kannten in dieser Woche nur den Weg nach unten. Selbst Rettungsaktionen änderten nichts daran, dass die großen Indizes an einem Tag durchaus auch mehr als zehn Prozent einbüßten. Für die kommende Woche sehen wenige Beobachter Besserung. Denn neben die Finanzkrise tritt die Angst vor der Rezession, die vielen nun unausweichlich scheint.

FRANKFURT. Solche Szenen haben Anleger und Börsianer wohl selten erlebt: Indizes rauschen um sieben, acht oder zehn Prozent nach unten, und das täglich. Einzelne Aktien reißt es noch drastischer abwärts, in seltenen Fällen auch nach oben - Stichwort VW-Aktie. Die Marktteilnehmer sind völlig verunsichert, von Panik und Ausverkauf ist die Rede.

Weltweit sind die Aktienkurse auf Talfahrt gegangen; der Dax verlor seit Montag mehr als 23 Prozent. Allein am Freitag büßte der deutsche Leitindex zeitweise fast zwölf Prozent auf knapp über 4 300 Punkte ein und verbuchte damit das größte Minus an einem Tag seit 1997. Der Index notiert mittlerweile so niedrig wie seit Mai 2005 nicht mehr. Im Vergleich zum Jahresanfang musste er fast 40 Prozent zurückstecken.

"Die Situation an den internationalen Aktienmärkten erinnert inzwischen an ein Pingpong-Spiel", schreiben die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart". Ein Teufelskreislauf: "Die USA eröffnen schwach, weil Europa schwach geschlossen hat. Asien weist dramatische Kurseinbrüche aus, weil die USA schwach verlaufen sind."

Selbst Analysten sehen dem Chaos hilflos zu. Auf fundamentale Argumente höre derzeit niemand, beklagt Markus Reinwand von der Helaba. Deswegen habe er momentan alle Prognosen auf Eis gelegt, sagt auch Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. "Zurzeit kann man einfach keine seriösen Aussagen treffen, wo es hingeht".

Wohl weiter nach unten, befürchten viele Beobachter. Es geht immer noch billiger, dürfte das Motto der kommenden Woche sein. Anleger sollten - so der Rat einiger Aktienstrategen - bestenfalls eine Seitwärtsbewegung erwarten. Denn Aktien sind zwar billig wie lange nicht mehr, aber niemand traut sich, zuzugreifen. Selbst fundamental orientierte Investoren mit Cash auf dem Konto werden erst abwarten, bis sich die Ausschläge an den Aktienmärkten beruhigt haben.

"Der Aktienmarkt ist eindeutig überverkauft und unterbewertet", meinen zum Beispiel die Ellwanger & Geiger-Experten, "doch dieses Argument zieht zurzeit nicht, weil jeder davon ausgeht, dass er Stunden später die Aktien noch billiger haben kann." Diese "chaotischen Zustände" würden sicherlich noch nicht so schnell beigelegt sein. "Aus diesem Grund ist unverändert mit hohen Verwerfungen zu rechnen."

"Das ist eine Vertrauenskrise in das System. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers befinden sich die Märkte im freien Fall", sagte Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp. Keiner habe mehr den Mut, Aktien zu kaufen, sagte ein Händler. "Aber es ist zu spät zum Verkaufen."

"Das hier ist noch lange nicht der Tiefpunkt, da bin ich mir sicher", sagte am Freitag eine Frankfurter Händlerin. Ein Absturz bis auf 3 500 Punkte wie nach dem 11. September 2001 sei jetzt wahrscheinlich: "Nachhaltige Kursgewinne wird es in diesem Jahr nicht mehr geben", lautet ihr tiefschwarzer Ausblick. "Die kommen frühestens Ende nächsten Jahres, vielleicht sogar noch später." Einen wenn auch sarkastischen Trost hat der Konjunkturexperte der Commerzbank, Ralph Solveen: "Dieses Land wird nicht im nächsten Jahr in rauchenden Trümmern liegen, das Wirtschaften in Deutschland hört nicht auf."

Selbst in dieser Lage verstummen die Optimisten nicht: "Wir bleiben bei unserer Meinung, dass diese extremen Rückschläge auch Chancen bieten", heißt es im Ellwanger-Geiger-Bericht. Sie denken an Papiere wie Nestlé, Bayer, Beiersdorf, Royal Dutch und Barrick Gold.

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