Prognosen
Wenn Krisenpropheten irren

Wer sich auf die Einschätzungen des New Yorker Wirtschaftsprofessors Nouriel Roubini verlassen hat, war lange Zeit gut beraten. Im laufenden Jahr dagegen haben Anleger, die ihm gefolgt sind, die größte Rally an den Aktienmärkten seit der Weltwirtschaftskrise verpasst.

Bloomberg NEW YORK. Der Professor sieht derweil weiter schwarz: In einem Kommentar für die "Financial Times" schrieb er kürzlich vom Risiko einer durch zwei Abschwünge gekennzeichneten Rezession. Damit wiederholt er die in den letzten Monaten geäußerte negative Einschätzung.

Im März tat Roubini den Kursanstieg als trügerische Rally ab. Im Mai meinte er, die steigenden Kurse würden "sich verflüchtigen". Im Juli warnte Roubini davor, die Wirtschaft sei "noch nicht über dem Berg". Zu diesem Zeitpunkt lag der MSCI World Index, Gradmesser für die globale Entwicklung am Aktienmarkt, auf Jahressicht 58 Prozent im Plus - der größte Anstieg, seit der Index 1970 erstmals berechnet wurde.

Dagegen wäre es Anlegern, die im Juli 2006 auf Roubinis Warnung gehört und ihre Aktienpakete veräußert hätten, gelungen, die größten Kursverluste im marktbreiten S&P 500 Aktienindex seit sieben Jahrzehnten zu vermeiden. Selbst wer noch im Dezember 2008 Roubinis Einschätzung folgte, machte nichts falsch: Nachdem der S&P 500 Index davor binnen drei Wochen um 17 Prozent zugelegt hatte, sagte der 51-jährige Ökonom am 12. Dezember 2008, US-Aktien könnten um 20 Prozent fallen. Bis zum 9. März 2009 gab der S&P 500 Index um 23 Prozent nach. Mit seiner am selben Tag geäußerten Prognose lag Roubini dann aber völlig daneben. Roubini sprach davon, dass beim S&P 500 Kursverluste bis auf die Marke von 600 Zählern möglich seien. Seither hat der Index auf 1 028 Zähler zugelegt.

Wer im Frühjahr auf Laszlo Birinyi gehört hat, lag zuletzt richtig. Der 65-jährige Birinyi, der zehn Jahre als Händler bei der Investmentbank Salomon Brothers arbeitete, bevor er 1989 die Beratungsfirma Birinyi Associates gründete, galt in den 1990er-Jahren als zuverlässigster Börsenprophet an der Wall Street. Auch Birinyi war nicht ahnungslos in die Krise geschlittert. Im Oktober 2007 riet er Anlegern, sie sollten die Finger von Bankaktien lassen.

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