Q-Cells als Vorreiter
Emissionswelle rollt auf Kapitalmarkt zu

Ein Stimmungswandel bei Investoren, Unternehmen und Banken hat dafür gesorgt, dass das Geschäft mit Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen wieder anspringt. Sollte nicht ein neuerlicher Einbruch an den Börsen diesen Trend abwürgen, sehen Börsianer bis zum Jahresende eine Reihe größerer Emissionen auf den deutschen Markt zukommen.

FRANKFURT. "Eine Welle von Kapitalmaßnahmen schwappt von Großbritannien jetzt auf Europa über", sagt Klaus Schinkel, der bei der Royal Bank of Scotland (RBS) das Emissionsgeschäft im deutschsprachigen Raum verantwortet. Skandinavien und Frankreich hat diese Welle seiner Ansicht nach schon erreicht, während Deutschland noch in Lauerstellung liegt. Laut dem Datenanbieter Dealreporter kommt knapp die Hälfte aller 21 Deals seit Jahresanfang von den britischen Inseln. In den USA wurden seit Jahresanfang bereits fast 55 Mrd. Dollar eingenommen, die größte Summe seit dem Jahr 2000. Das hat der Datenanbieter Dealogic ermittelt

Die bekanntesten deutschen Namen kommen bislang aus der zweiten Reihe wie das Solar-Unternehmen Q-Cells oder der Bezahlsender Premiere. Nachdem Q-Cells erst vor zwei Wochen 530 Mio. Euro durch den Verkauf der norwegischen REC eingenommen hat, kamen am Donnerstag 265 Mio. Euro durch die erste Wandelanleihe hinzu, die in diesem Jahr im deutschsprachigen Raum platziert wurde. Innerhalb weniger Stunden waren Käufer gefunden. "Nachdem die Emission schnell überzeichnet war, konnten wir das Buch innerhalb kürzester Zeit wieder schließen und so das Marktrisiko für Q-Cells minimieren", sagt Armin Heuberger von Morgan Stanley, der die Emission begleitet hat. Das Überraschende dabei: Q-Cells hat kein Rating, zudem gelten Anbieter aus dem regenerativen Bereich als schwach kapitalisiert und damit risikoreich.

Damit scheint der Weg für weitere Transaktionen offen. "Das Eis ist gebrochen", sagt Klaus Fröhlich, ebenfalls von Morgan Stanley. Auch beim Chip-Hersteller Infineon gibt es Hinweise auf eine anstehende Wandelanleihe in dreistelliger Höhe. Im europäischen Umfeld haben bereits der Stahlriese Arcelor-Mittal oder der Baustoff-Anbieter Lafarge sogenannte Wandler erfolgreich platziert.

Treiber ist die starke Kursentwicklung der vergangenen Wochen. Deswegen beschäftigen sich Investoren zwangläufig mit Kapitalmaßnahmen. Doch anders als vor Jahresfrist bestimmen nicht mehr Hedge-Fonds das Geschehen. "Pensionskassen und Versicherungen zum Beispiel beginnen, im Portfolio Wandler aufzubauen aufgrund von sehr attraktiven risikoadjustierten Renditen", sagt Kurt Fisch vom Züricher Vermögensverwalter Fisch Asset Management. Es gab bereits Fälle, in denen Investoren aktiv Unternehmen auf mögliche Kapitalmaßnahmen angesprochen haben, berichtet Klaus Schinkel.

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