Reaktion auf Börsenturbulenzen
US-Justiz nimmt Spekulanten schärfer ins Visier

Die US-Justiz reagiert auf die heftige Kursstürze der vergangenen Tage: Sie nimmt ab sofort Spekulanten schärfer ins Visier. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte am Donnerstag umfassende Untersuchungen zu Börsenwetten auf fallende Kurse an. Seine Forderungen an die Börsenaufsicht SEC hingegen gehen noch weiter.

HB NEW YORK. Angesichts der schweren Börsenturbulenzen nimmt die US-Justiz jetzt verschärft Spekulanten ins Visier. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte am Donnerstag umfassende Untersuchungen zu Börsenwetten auf fallende Kurse an. Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US-Versicherer AIG an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers sogar in die Insolvenz gestürzt.

Cuomo will illegale Praktiken bei Wetten auf fallende Kurse durch sogenannte Leerverkäufe ab sofort scharf verfolgen. Kritiker dieser Börsengeschäfte hatten immer wieder beklagt, dass Spekulanten die Notierungen so erst massiv nach unten treiben. Das Volumen dieser Leerverkäufe („Shortselling“) liegt derzeit an den Börsen auf Rekordniveau. Die Leerverkäufe selbst seien zwar nicht verboten, sagte Cuomo. Wenn sie aber etwa mit der Verbreitung falscher Gerüchte verbunden seien, dann sei dies illegal.

Cuomo forderte die US-Börsenaufsicht SEC zudem auf, die Leerverkäufe bei den derzeit besonders betroffenen Finanzwerten befristet zu untersagen. Erst am Mittwoch hat hat die Regeln erneut die Regeln für das sogenannte "Short Selling" verschärft.

So dürfen Händler keine Verkaufsorder mehr geben, wenn diese nicht durch geliehene Aktien gedeckt sind. Auf diese Weise will die SEC den Kreis der möglichen Shortseller möglichst klein halten und eine Flut von ungedeckten Verkäufen verhindern. "Unsere Maßnahmen machen ganz klar deutlich, dass es für den Missbrauch von Shortselling keine Toleranz gibt", sagte SEC-Chef Christopher Cox in Washington. Die neuen Regeln sollen morgen in Kraft treten.

Bereits im vergangenen Monat hatte die Börsenaufsicht versucht, mit einem Verbot für Shortseller die Kurse von 19 Bankaktien zu schützen. Darunter war auch die inzwischen pleite gegangene Investmentbank Lehman Brothers. Banker an der Wall Street bezeichneten das Vorgehen der SEC als ungewöhnlich. Lehman-Chef Richard Fuld hatte Shortselling wiederholt für den massiven Kurseinbruch seiner Aktien verantwortlich gemacht. Hedge-Fonds sollen nach seinen Angaben bewusst falsche Informationen gestreut haben. Die Finanzakrobaten wehren sich gegen die Vorwürfe und machen für den Kurseinbruch die gescheiterte Geschäftsstrategie der Banken verantwortlich.

Beim „Shortselling“ verkaufen Investoren Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich von Dritten gegen Gebühr ausleihen. Sie hoffen auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückerwerben und dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie als Gewinn ein.

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