Real rutscht gegenüber Dollar ab – Aktien brechen ein
Polit-Skandal belastet Brasiliens Märkte

Die Regierungskrise in Brasilien hat die Finanzmärkte des Landes erreicht. Der Real verlor zum Wochenanfang gegenüber dem Dollar 2,7 Prozent an Wert.

HB SÃO PAULO. Die Börse in São Paulo stürzte um 3,4 Prozent ab. Das Länderrisiko Brasiliens stieg um ein Prozent auf 421 Punkte, gemessen am Zinsaufschlag, den Investoren auf brasilianische Staatsanleihen gegenüber US-Bonds verlangen.

Vor allem ausländische Investoren zogen Kapital von Börse und Anleihenmärkten ab. Ende letzter Woche hatte die Investmentbank Merrill Lynch empfohlen, brasilianische Anleihen in den Portfolios zu reduzieren. „Die ausländischen Investoren haben erstmals mitbekommen, wie schwer die Korruptionskrise in Brasilien ist“, sagt Paulo Leme von Goldman Sachs, „bisher waren vor allem die brasilianischen Investoren pessimistisch.“

Seit zwei Monaten dominiert ein Korruptionsskandal um die Regierung des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva die Politik Brasiliens. Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen eines Untersuchungsausschusses im Kongress haben sich zahlreiche Politiker der regierenden Arbeiterpartei PT über Scheinkredite großzügig mit Geld bedient. Es geht dabei um eine Summe von rund 20 Mill. Euro. Vermutlich kommt das Geld aus der Wirtschaft und von Staatskonzernen. Einige enge Vertraute Lulas sind inzwischen von ihren Posten zurück getreten, darunter der Parteipräsident und der Leiter des Präsidialamts.

Ricardo Amorim von der WestLB hält es für möglich, dass der Korruptionsskandal auch den Präsidenten Lula erreichen könnte. Sollten er und sein bisher unbescholtenes Finanz- und Wirtschaftsteam mit in die Affäre gezogen werden, dann wird es wohl zu weiteren negativen Reaktionen an der Börse kommen. „Der Skandal ist nicht mehr kontrollierbar“, schreiben die Experten der Investmentbank JP Morgan.

Stabilisierend auf die Aktienkurse wirken die positiven Rahmenbedingungen für die Wirtschaft: Der Handelsbilanzüberschuss erreichte im ersten Halbjahr einen Rekordwert. Die Devisenreserven sind weiter gestiegen. Ausländische Konzerne haben seit Januar 2005 vier Mrd. Dollar mehr in Brasilien investiert als 2004. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Die Inflation reduzierte sich im Juni so stark, dass die Zentralbank die Zinsen bald senken könnte. Das würde die Aktienkurse beleben.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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