Recht zur Selbstregulierung nach Gehaltsaffäre um Börsenchef Grasso umstritten
New Yorker Börse könnte ein wichtiges Privileg verlieren

Die Debatte über das Gehalt des Chefs der New Yorker Börse trifft inzwischen auch die Börse selbst. Mehrere Kritiker fordern, dass der weltgrößte Aktienmarkt sein Selbstregulierungsrecht abgibt.

tmo NEW YORK. Bislang überwacht die New Yorker Börse (NYSE) ihren eigenen Handel und definiert Standards für NYSE-notierte Firmen. Dieses Privileg scheint jetzt zu wackeln.

„Die Affäre trifft nicht nur die NYSE als Institution, sie trifft das ganze Konzept der Selbstregulierung“, sagte William George, Mitglied des Personal- und Corporate-Governance-Ausschusses der Investmentbank Goldman Sachs. „Dies könnte der Anfang vom Ende der NYSE als quasi-staatlicher Regulierer sein“, fügte er hinzu. NYSE-Chef Richard „Dick“ Grasso kassierte kürzlich ein Gehaltspaket über 139,5 Mill. $. Die hohe Summe genehmigte der Gehaltsausschuss der NYSE. Darin saßen bis Juni auch Finanzhäuser, die selbst von der NYSE überwacht werden. Am morgigen Donnerstag treffen sich Mitglieder der als Verein organisierten NYSE. Sie wollen über die aktuelle Krise sprechen. Dabei wird nach Informationen des Wall Street Journal auch ein alter Reformplan neu zur Sprache kommen – die NYSE selbst in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und an die Börse zu bringen. „So viel muss jetzt tiefgreifend verändert werden, da wird man auch über einen Börsengang nachdenken“, sagte der pensionierte Händler Francis Maglio. Er hält noch zwei der 1366 „NYSE-Sitze“, die zum Aktienhandel berechtigen. „Wären wir bereits den strengen Regeln unterworfen, die wir selbst an NYSE-notierte Firmen stellen, dann wäre das alles nicht passiert“, sagte Francis. Die NYSE-Mitglieder würden bei einem Börsengang persönlich profitieren.

Gleichzeitig kündigte der Vorsitzende des NYSE-Gehaltsausschusses, Carl McCall, eigene Reformvorschläge an. Er will das Board (entspricht einer Kombination des deutschen Vorstandes und Aufsichtsrates) radikal umstrukturieren und Investoren sowie NYSE-Mitgliedern eine stärkere Stimme geben. Vielen Kritikern gehen diese Ankündigungen aber nicht weit genug.

„Die Rolle der NYSE als Handelsplattform, die Geld für ihre Mitglieder verdienen soll, passt nicht zur Rolle des Regulierers“, sagte die Direktorin des Rats Institutioneller Investoren, Sarah Teslik. Sie spricht für 130 US-Pensionsfonds mit einem Vermögen von 3 Billionen $. Cynthia Glassman, Mitglied der Geschäftsführung der US-Börsenaufsicht SEC, bezeichnete die Zwitterrolle der NYSE als „ernstes Problem“. Die SEC überwacht als oberster US-Finanzaufseher sämtliche Regulierungsinitiativen der NYSE. Sie untersucht derzeit die interne Struktur (Corporate Governance) der Börse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%