Regionalbörsen: Bremer Börse bleibt noch zu

Regionalbörsen
Bremer Börse bleibt noch zu

Die Schweizer Börse SWX braucht länger als geplant, um in Deutschland mit einem eigenen Handelssystem für Zertifikate und Optionsscheine an den Start zu gehen.

FRANKFURT/ZÜRICH. Die Schweizer hatten mit diesem Ziel im vergangenen Jahr die Regionalbörse in Bremen übernommen und wollten ursprünglich Mitte dieses Jahres dort mit ihrem Handelssystem Quotematch beginnen. Nach Aussagen deutscher Börsenmanager und Banker wird daraus nichts: „Die Schweizer werden frühestens 2007 in Bremen beginnen“, heißt es aus Kreisen deutscher Regionalbörsen. Ein Sprecher der SWX sagte lediglich: „Alles braucht seine Zeit. “

Der Kauf der ehemaligen Bremer Börse, die seit Mitte 2003 ohne operatives Geschäft ist, bescherte den Schweizern den Zugang zum deutschen Xontro-System, das die Banken elektronisch an alle Präsenzbörsen anschließt. Damit sollten sehr viele Marktteilnehmer ohne teure Zusatzanbindung an der neuen Börse der SWX handeln können. Vor allem Kunden der Stuttgarter Euwax, die derzeit versucht im Schweizer Markt Fuß zu fassen, sind Ziel der Schweizer Expansion. Außerdem: Das Segment boomt derzeit - allein im vergangenen Jahr stieg das Volumen des verwaltenden Vermögens um 40 Prozent auf 75 Mrd. Euro. Vor allem Privatanleger tummeln sich in diesem Bereich. Schließlich erlauben die Produkte die Nachbildung komplexer Handelsstrategien zu einem verhältnismäßig günstigen Preis.

Dass die Expansion der Schweizer dennoch auf sich warten lässt, könnte nach Einschätzung deutscher Börsenmanager mehrere Gründe haben: „Anders als ursprünglich geplant wollen die Schweizer nicht ihr neues Handelssystem Quotematch einführen. Eine Alternative zu finden dauert einfach“, heißt es. Die Schweizer hatten Quotematch im Herbst 2005 einen Monat später als ursprünglich geplant eingeführt. Möglicherweise müsse es für den Einsatz in Deutschland stärker als bislang gedacht modifiziert werden, hieß es.

Im Umfeld der Banken, die Zertifikate und Optionsscheine emittieren, wird außerdem bezweifelt, ob ein weiterer Handelsplatz für diese Anlageklasse überhaupt am deutschen Markt akzeptiert würde. „Wir sind offen für alles. Aber mal ehrlich, es gibt mit Stuttgart und Frankfurt zwei Börsen sowie verschiedene andere Plattformen, die diesen Handel anbieten. Unsere Produkte an noch mehr Handelsplätzen zu listen wäre uns einfach zu teuer“, sagt der Bankenmanager eines führenden Optionsscheinemittenten. Die SWX habe zuletzt ihre Ideen für die Bremer Börse bei den Banken präsentiert, um herauszufinden, womit diese zu einem Engagement zu bewegen wären. Dabei sei aber wenig herausgekommen, hieß es. „Wenn man sieht, welchen Wettbewerb sich der Marktführer Stuttgart und die Frankfurter Börse liefern, muss man sagen: Das wird für einen Dritten sehr schwer“, sagte ein Banker.

Ein anderer Banker beklagt darüber hinaus, dass die Zulassungsgebühren in der Schweiz derzeit viel höher als in Deutschland seien. „Die SWX müsste ihre Preise deutlich senken, wenn sie hier in den Markt will.“

Auch die „Großwetterlage“ hat sich geändert, wie sich ein Börsenmanager ausdrückt: Als die Schweizer Bremen übernahmen, war nicht klar dass ihr damaliger Chef Reto Francioni an die Spitze der Frankfurter Börse wechseln würde. Die Eidgenossen könnten sich in der neuen Konstellation bessere Chancen als früher ausrechnen, mit den Deutschen ins Geschäft zu kommen. Schließlich hatte Mathias Hlubek, Finanzvorstand der Deutschen Börse, im Sommer gesagt, er könne sich ein verstärkte Zusammenarbeit mit den Schweizern im Derivatebereich gut vorstellen. Dies würde den Druck auf den Marktführer Stuttgart erhöhen.

Sondersituation: Anders als im übrigen Europa gibt es in Deutschland neben dem Marktführer Frankfurt sechs regionale Börsen. Diese behaupten sich – wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg – in Nischen des hiesigen Kapitalmarktes.

Auslandsbörsen: 2003 scheiterte die USBörse Nasdaq beim Versuch, mit Hilfe der Bremer in Deutschland Fuß zu fassen. Auf einem ähnlichen Weg versucht nun Jürg Spillmann (Foto), Chef der SWX Gruppenleitung, den Einritt in den deutschen Markt.

Verbriefte Derivate: Optionsscheine und Zertifikate sind die Domäne der Börse Stuttgart. In diesem boomenden Segment haben es die Schwaben sogar zur Marktführerschaft vor der sonst übermächtigen Frankfurter Konkurrenz gebracht.

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