Regionalbörsen profitieren kaum von verkürztem Xetra-Handel: Börse Stuttgart baut Marktanteil aus

Regionalbörsen profitieren kaum von verkürztem Xetra-Handel
Börse Stuttgart baut Marktanteil aus

Die Verkürzung der Handelszeiten auf dem elektronischen System Xetra der Deutschen Börse AG hat den Regionalbörsen kaum zusätzliches Geschäftsvolumen beschert. Drei Monate, nachdem die Deutsche Börse den Xetra-Handelsschluss auf 17.30 Uhr von 20.00 Uhr vorverlegt hat, ist aber klar, dass die Parkettbörsen Frankfurt und Stuttgart das Geschäft mit den Orders von Kleinanlegern am Abend nahezu unter sich aufteilen.

HB FRANKFURT. Großinvestoren haben schon vor Verkürzung der Handelszeiten ohnehin fast nur über Xetra - hier werden täglich über 90 Prozent der Umsätze in deutschen Aktien getätigt - geordert. „Der Marktanteil des Frankfurter Parketts am Abendhandel liegt relativ stabil bei rund 60 Prozent. Der Anteil der Stuttgarter Börse schwankt zwischen 20 und in der Spitze um 40 Prozent“, erläutert eine Sprecherin der Deutschen Börse in Frankfurt die Handelsplatz-Statistiken. Der Gesamtmarktanteil der beiden Börsen steige außerdem leicht. Platz drei nimmt die Münchener Börse ein. „Die Order gehen eben dorthin, wo schon der größte Umsatz ist“, kommentiert ein Aktienhändler die Entwicklung.

Hoffnungen der acht deutschen Parkettbörsen, sie könnten nennenswert vom verkürzten Xetra-Handel an den Abenden profitieren, waren also vergebens. Seit Jahren schon haben die traditionsreichen Regionalbörsen der technologischen Übermacht der Deutschen Börse nichts mehr entgegenzusetzen; und der Börsenmakler auf dem Parkett gehört hier zu Lande zunehmend zu einer aussterbenden Spezies. Fondsmanager und Vermögensverwalter tätigen heute ihre Geschäfte über Xetra, entsprechend kam es auch zu einem Einbruch der Handelsvolumina nach 17.30 Uhr. Wurden in dem Zeitkorridor bis 20.00 Uhr früher an allen deutschen Börsen inklusive Xetra mehr als 300 Millionen Euro umgesetzt, sind es in den zweieinhalb Stunden Abendhandel nun fast 90 Prozent weniger.

Im Aktienboom der späten 90er Jahre hatte die Deutsche Börse die Xetra-Handelszeiten eigens auf 20 Uhr ausgedehnt, um auch die Order der damals noch aktiver handelnden Kleinanleger vermehrt auf diese Plattform zu ziehen. Mit dem Zusammenbruch der Aktienmärkte, der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel von über 8000 Punkten im März 2000 bis März 2003 auf 2188 Zähler, ist die Zahl der Aktienkäufe- und -verkäufe von Privatanlegern aber nun deutlich zurückgegangen. Im November 2003 reagierte die Deutsche Börse dann und verkürzte wieder ihre Handelszeiten.

Stuttgart spürt Aufwind - Banken können sparen

Die zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart konnte ihre Umsätze und Marktanteile der Statistik zufolge ausweiten. „Die Anzahl der Transaktionen in inländischen Aktien im Abendhandel hat sich seit Anfang November von rund 150 auf ungefähr 500 gesteigert. In der Spitze sind es an manchen Tagen 900“, sagt ein Sprecher der Börse Stuttgart.

Die großen Geschäftsbanken profitieren von der Verkürzung der Handelszeiten, können sie doch teures Personal, das sich früher um die wenigen Großkundenorder am Abend kümmern musste, nun eher nach Hause schicken. „Nach 17.30 Uhr kam früher schon kaum eine größere Order in die Handelsräume. Wir sind mit der getroffenen Lösung zufrieden. Im Handel mit Großkunden können durch die kürzen Börsenzeiten die Aktienhändler früher nach Hause“, sagt Thomas Eckert, Leiter des Bereichs Aktien bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt. „Im von Kleinanlegern geprägten Geschäft etwa mit Optionsscheinen sind die Kollegen indes immer noch bis 22 Uhr im Büro“, fügt er hinzu.

Daran wird sich nach Einschätzung von Andreas Willius, Vorstand der Börse Stuttgart, so schnell auch nichts ändern. „Die Zahlen zeigen, dass Privatanleger gerade in den Abendstunden bei uns aktiv sind.“ Zudem sei der außerbörsliche Handel im Derivategeschäft, in dem Stuttgart ebenfalls stark ist, mit seinen langen Handelszeiten ein scharfer Konkurrent. „Das sind die zwei Hauptgründe, warum für die Börse Stuttgart eine Handelszeitverkürzung nach wie vor nicht in Frage kommt“, sagt Willius.

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