Rezessionsfolgen
US-Konzerne streichen Dividenden zusammen

Die Finanzkrise erwischt die US-Anleger gleich doppelt hart. Erst der Kursrutsch an den Börsen, jetzt werden auch noch die Dividenden kräftig zusammen gestrichen. Bei Banken ist gar nichts mehr zu holen. In anderen Branchen gibt es dagegen lukrative Renditen.

Bloomberg NEW YORK. Immer weniger US-Konzerne zahlen ihren Aktionären als Folge der Finanzkrise eine Dividende. Zuletzt haben so viele Unternehmen ihre Gewinnausschüttung abgesagt wie seit 50 Jahren nicht mehr. Waren es im September noch 60 Firmen, die den Geldhahn zudrehten, stieg die Zahl über 81 im Oktober auf 91 Unternehmen im November. Laut Standard & Poor's ist das der höchste Wert seit 1958.

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass der Trend anhalten wird, so lange sich die Wirtschaft nicht wieder berappelt. Zuletzt waren die Unternehmensgewinne wegen der Rezession und den massiven Problemen auf dem Kreditmarkt deutlich geschrumpft. Die Anleger trifft das doppelt hart: erst der Kursabsturz an den Börsen, jetzt keine oder nur eine winzige Dividende. Der S&P 500 Index hat seit Jahresanfang 42 Prozent eingebüsst. Es ist die schlechteste Wertentwicklung seit 1931. Für den altehrwürdigen Dow-Jones-Index ging es im selben Zeitraum um mehr als 35 Prozent nach unten.

Vor allem die Finanzwerte hat es hart erwischt. An Dividenden ist in diesem Umfeld kaum zu denken. Nach Angaben von S&P Analyst Howard Silverblatt entfielen sechs von acht Dividendenkürzungen oder-streichungen von Monatsanfang bis 24. November auf Finanztitel. Bei der Citigroup, deren Marktwert in den vergangenen beiden Monaten um 69 Prozent eingebrochen ist, heißt es, dass es in den kommenden drei Jahre nicht mehr als einen US-Cent Dividende je Aktie gebe. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kassierten die Aktionäre 54 Cent je Aktie. Erst vor kurzem hat das Geldhaus von der US-Regierung eine Liquiditätsspritze im Umfang von 20 Mrd. Dollar erhalten.

Im Moment geht es für die Banken ums nackte Überleben. Oberstes Ziel ist es, die Eigenkapitalausstattung zu verbessern. Wenn man da draußen auf der Suche nach frischem Kapital ist, hat es wenig Sinn, sich umzudrehen und es mit der anderen Hand weiterzureichen, sagte Bill Stone, Leiter Anlagestrategie beim Vermögensverwalter PNC Wealth Management in Philadelphia.

Ein Nebeneffekt der fallenden Aktienkurse ist der Anstieg der Dividendenrendite bei jenen Unternehmen, die noch Dividenden ausschütten. Bei den im S&P enthaltenen Titeln ist die Dividendenrendite auf den höchsten Wert seit mindestens 15 Jahren geklettert. Auf Wochensicht lag die Rendite zuletzt bei 3,8 Prozent und damit über der Rendite der 30-jährigen US- Treasuries.

Nach Daten von Bloomberg besteht Aussicht, dass 83 der im S&P gelisteten Konzerne die Dividenden weiter anheben werden. S&P und Bloomberg-Daten belegen, dass unter anderem der Mischkonzern 3M Co., der Pharmariese Eli Lilly & Co. und der Getränkehersteller Coca-Cola Co. in den letzten 25 Jahren ihre Dividende regelmäßig aufgestockt haben und dies mit großer Wahrscheinlichkeit erneut tun werden.

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