Risiken für Kreditderivate
EU will Derivate regulieren

Die EU-Kommission zieht Konsequenzen aus der Finanzkrise und will Licht in die Grauzonen des Derivatemarktes bringen: Kommissar McCreevy möchte dem außerbörslichen Handel mit Kreditderivaten einen Riegel vorschieben – und verlangt eine zentrale Clearing-Stelle für Derivate.

BRÜSSEL. „Bis Ende des Jahres will ich konkrete Vorschläge haben, wie die Risiken der Kreditderivate entschärft werden können“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy am Wochenende. Der Kommissar zieht damit Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise. Der schwunghafte Handel mit extrem riskanten Kreditderivaten insbesondere in den USA gilt als Hauptursache für das weltweite Banken-Debakel.

Alle am Derivategeschäft beteiligten Akteure sollten an Reformvorschlägen mitwirken, sagte McCreevy weiter. Eine entsprechende Aufforderung werde die Kommission „sehr bald“ verschicken, hieß es in der Brüsseler Behörde. Über die Kreditderivate hinaus will McCreevy auch den gesamten Derivatemarkt „systematisch“ beleuchten.

Der Kommissar ließ bereits deutlich erkennen, wie er sich die Neuordnung des Derivatemarktes vorstellt. Er denkt vor allem daran, dem außerbörslichen Handel mit Kreditderivaten einen Riegel vorzuschieben. Es stelle sich die Frage, ob nicht mehr Derivate standardisiert werden müssten und es gebe einen „sehr dringenden Bedarf“ für eine zentrale Clearing-Stelle für Derivate.

Das habe der Zusammenbruch von Lehman Brothers gezeigt. Lehman sei eine wichtige Clearing-Stelle für Derivate gewesen und habe deshalb andere Banken mit in den Abgrund gezogen. Obendrein habe die Lehman-Pleite eine weitere „beträchtliche Spekulation“ mit Kreditderivaten ausgelöst, was neue Risiken mit sich gebracht habe.

Das Gesamtvolumen des Derivatemarktes bezifferte McCreevy mit 600 Billionen Dollar. Kreditderivate haben daran nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich einen Anteil von rund zehn Prozent mit rasch steigender Tendenz. „Niemand kann sagen, wie diese Swaps abgewickelt werden“, warnte McCreevy. Die Aufsichtsbehörden wüssten kaum etwas darüber, in welcher Höhe sich Verbindlichkeiten für einzelne Marktteilnehmer auftürmen könnten. „Die Undurchschaubarkeit dieser Produkte führt zu hässlichen Überraschungen, wenn Dinge falsch laufen“, sagte der Kommissar.

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