Risiko Volksaktie
Von Preussag zur Telekom

Weder die T-Aktie noch Veba waren Deutschlands erste „Volksaktie“. Bereits 1959 verkauft die Bundesregierung 170 000 Anteilsscheine der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG, kurz Preussag und heute Tui.

DÜSSELDORF. Schatzminister Werner Dollinger preist die Aktie als „gutes und sicheres Papier für eine langfristige Kapitalanlage“. Als Hausfrauen, Studenten und Berufstätige die Bankschalter stürmen, machen Zeitungen mit dem „Sieg der Volksaktie“ auf. So entsteht die Mär von einer narrensicheren Anlage.

Sie blüht ein Jahr später richtig auf, als der Bund 1,1 Millionen VW-Papiere mit Sozialrabatt verkauft. „Die Zeit“ berichtet über Fälle, in denen „Einzelpersonen bei über 500 Banken und Bankfilialen ihre Anträge vorgelegt und zugeteilt erhalten haben“. Deutschlands zweite Volksaktie verdoppelt in nur einem Jahr ihren Wert. „VW-Aktien als Weihnachtsgeschäft", titelt das „Handelsblatt“.

Ob 1959 bei Preussag, 1960 bei VW und 1965 bei Veba: Stets privatisiert der Staat und teilt die Aktien vorrangig Geringverdienern mit Sozialrabatt zu. Allein das war früher Kriterium für eine Volksaktie. Dass diese auch Sicherheit bietet, die es an der Börse gar nicht geben kann, war und ist hingegen bloßes Wunschdenken.

Obwohl sich der VW-Kurs in den siebziger Jahren halbiert und lange Zeit nicht mehr erholt, und der Veba-Kurs gleich nach seiner Emission einbricht, „beerdigen“ Anleger, Analysten und Medien in Deutschland die Mär von der Volksaktie erst nach den Erfahrungen mit der Deutschen Telekom, wie Rüdiger von Rosen, Chef des Deutschen Aktieninstituts, nach dem Kursdesaster resümiert. Im Überschwang der Technologie-Euphorie hatte Ende der 90er-Jahre zu lange keiner glauben wollen, dass Deutschlands größte „Volksaktie“ – mit Rabatt Millionen Kleinanlegern zugeteilt – um 90 Prozent und damit mehr als fast alle anderen großen Aktien einbrechen konnte.

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