Ruanda
Kleine Börse mit großen Plänen

Die Börse in Ruanda ist eine der kleinsten der Welt. Es gibt nur fünf Aktien. Der Handel läuft ohne Computer ab. Mittags ist Schluss. Doch die Börsenbetreiber haben Großes vor. Ein Report.
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KigaliWenn der Uhrzeiger morgens auf neun rückt, klingelt im Bankendistrikt der ruandischen Hauptstadt Kigali die Glocke – groß wie ein Tennisball, schwer und mit stabilem Holzgriff. So läutet der Betriebsleiter David Mitali den Beginn des Handelstages auf der Rwanda Stock Exchange, der einzigen Börse des Landes, ein. Ein wenig verloren wirkt Mitali mit der Glocke in der Handelshalle. Sie befindet sich im ersten Stock des „Kigali City Tower“, eines Wolkenkratzers im Zentrum der Hauptstadt. Direkt darunter schlängelt sich die Marktstraße Avenue de Commerce: Handy- und Hausratsverkäufer reihen sich dort aneinander: sie feilschen, schreien und verhandeln. Der Geruch von Schweiß und Abgasen liegt in der Luft.

Dagegen duftet es an der ruandischen Börse frisch nach Putzmitteln, der Boden ist blitzblank. Betriebsleiter Mitali steht im grünen Jackett und Hose mit Bügelfalte vor einer weißen Tafel. Anders als die belebte Handelsstraße ist sein Arbeitsplatz überschaubar. Gerade einmal fünf Unternehmen hat Mitali zu betreuen: eine kenianische Großbank, einen Medienverlag und eine Supermarktkette, ebenfalls aus Kenia, sowie die Papiere der einheimischen Bank of Kigali und der Brauerei Bralirwa, die das überall im Land verkaufte „Primus“-Bier braut und zu zwei Dritteln Heineken gehört. Seit 2011 werden Aktien und Anleihen dieser Firmen in Kigali gehandelt. Damals ging die Rwanda Stock Exchange als eigenständig geführtes Unternehmen an den Start.

Gemessen an der Anzahl der Unternehmen  ist die ruandische Börse eine der kleinsten der Welt. Unterboten wird sie noch von der kambodschanischen Börse, auf der nur drei Unternehmen gehandelt werden und von der seychellischen, auf der nur eine einzige Firma gelistet ist. Auch die Marktkapitalisierung – die Summe der Kurswerte aller an der Börse gehandelten Aktien – ist mit knapp zwei Milliarden US-Dollar sehr klein. Zum Vergleich: Die größte Aktienbörse der Welt, die New York Stock Exchange, hat eine Marktkapitalisierung von 9,2 Billionen Dollar.

In Kigali handeln gerade einmal neun ständige Broker regelmäßig. Um halb zehn schlurfen zwei von ihnen in die Halle und schlüpfen in die roten Jacketts, die für sie bereit hängen. „Die Kleider haben wir dem internationalen Standard angepasst“, bemerkt Betriebsleiter Mitali. Die Broker sagen leise, zu welchem Preis ihre Kunden Wertpapiere kaufen wollen. Mitali notiert die Gebote mit quietschendem Edding auf der Tafel. Dass es für ein Gebot auch einen Abnehmer gibt, ist hier keinesfalls sicher. So bleiben manche Gebote mehrere Tage stehen.

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  • Spannender Artikel! Finanzmärkte zum anfassen - Wo gibt es das noch. Auch herrlich mit dem afrikanischen "Packen wir´s an!"-Optimismus, wenn es um die Bewältigung der vielen Hürden geht.

    Es wäre toll mit weiteren Artikeln zum Thema "Finanzmärkte in Entwicklungs- und Schwellenländern". Handel und Investitionen sind ein wichtiger Schlüssel zum zukünftigen Erfolg dieser Regionen. Dieser Erfolg wird sich auch über kurz oder lang einstellen - Wir dürften es noch zu Lebzeiten mitverfolgen können, allem Afrika-Pessimismus zum trotz.

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