Russland
Kapitalmarkt straft Putin ab

Seit der Krim-Annexion sind die Kurse russischer Aktien so volatil wie zuletzt im Jahr 2009. Investoren halten sich wegen der Schwankungen des Rubels gegenüber dem Euro daher stark zurück.
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Während nach der Annexion der Krim durch Russland die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland anhalten, reagieren Investoren auf ihre Weise. Die Kurse russischer Aktien sind seit der Krim-Annexion so volatil wie zuletzt 2009. Aktuell sind die Schwankungen des Rubels gegenüber dem Euro die stärksten je verzeichneten, die Erwartung für die Kursbewegungen des Rubels gegenüber anderen Schwellenland-Devisen sind so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Das alles sind Gründe, warum Investoren sich bei Russland zurückhalten. Zudem ist das Land nahe einer Rezession und hängt beim Wirtschaftswachstum von Rohstoffen ab. Ein Einmarsch russischer Truppen in den Osten der Ukraine hätte noch stärkere internationale Sanktionen provoziert und einen schnelleren Kapitalabfluss aus Russland riskiert.

„Wir sind an einem Punkt, an dem die Märkte sprechen und die Politiker zuhören und entsprechend reagieren müssen“, sagte Mansur Mammadow, Vermögensverwalter bei Kazimir Partners Ltd. in Moskau. „Die Volatilität war wie ein Tsunami, und es wäre logisch anzunehmen, dass sie den Politikern vor Augen geführt hat, dass die Kosten einer russischen Expansion in die Ukraine zu viel für die sich abschwächende Konjunktur wären.“

Die Volatilität für den russischen Benchmarkindex Micex stieg am 30. Mai auf 29,7 Prozent, annähernd dreimal so hoch wie die Volatilität im Schwellenmarktindex von MSCI, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Ende Februar lag die Volatilität bei russischen Aktien noch bei 12,7 Prozent.

Auch die Volatilität beim russischen Rubel hat kräftig zugelegt, nachdem Europäische Union und USA Sanktionen beschlossen und unter anderem Verbündete von Putin mit Reiseverboten belegt und Vermögenswerte eingefroren hatten. Die historische Dreimonats-Volatilität des Rubels kletterte von 7 Prozent Ende 2013 auf inzwischen 11,3 Prozent, wie Bloomberg- Daten belegen. Zum Vergleich: Beim Euro beträgt der Wert 4,4 Prozent.

Die stärkere Volatilität droht den konjunkturellen Abwärtstrend zu verschärfen. Herman Gref, Vorstandschef der staatlichen OAO Sberbank, erklärte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg am 22. Mai, die russische Wirtschaft drohe in diesem Jahr zu stagnieren. Laut einer Bloomberg-Umfrage unter 15 Volkswirten beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten zwölf Monaten 50 Prozent. Das Wirtschaftswachstum lag laut offiziellen Daten im ersten Quartal bei 0,9 Prozent auf Jahresbasis und damit auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr.

Angesichts der flauen Konjunktur und drohender weiterer Sanktionen hat Putin sich rhetorisch zurückgehalten, nachdem der Milliardär Petro Poroschenko am 25. Mai die Wahlen in der Ukraine gewann. Russland respektiere das Wahlergebnis und sei bereit, mit dem neuen Regierungschef zu verhandeln, hieß es. Laut Informationen der USA hat Russland den größten Teil seiner Truppen von der ukrainischen Grenze zurückgezogen.

„Die Ostukraine ist zu einer teuren Idee geworden und es sieht so aus, als ob Russland sie nicht mehr will“, sagte Ilya Kravets, Direktor Investmentanalyse bei Daniloff Capital LLC in New York. „Es würde ernsthafte Sanktionen geben, wenn Russland weitere Territorien von der Ukraine annektieren würde, und die Marktreaktion darauf wäre noch schärfer.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • „Die Ostukraine ist zu einer teuren Idee geworden und es sieht so aus, als ob Russland sie nicht mehr will“, sagte Ilya Kravets, Direktor Investmentanalyse bei Daniloff Capital LLC in New York. „Es würde ernsthafte Sanktionen geben, wenn Russland weitere Territorien von der Ukraine annektieren würde, und die Marktreaktion darauf wäre noch schärfer.“

    Wird ja auch Zeit, dass auch die Amis bemerken, dass ihr dämonisierendes Russland-Bild mit der Realität wenig zu tun hat und übrigens nie hatte. Wer an einer objektiven, differenzierten Sicht der Ukraine Krise interessiert ist, ist hier besser aufgehoben als bei US-Agenturen (Bloomberg) und ihren medialen deutschen Schleimspur-Vasellen:

    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/992-globaler-maidan-liste-haeufig-gestellter-fragen.html


  • Die "Märkte" und der Westen sind Komplicen mit gleichen Zielen. Putin muß dass berücksichtigen und wird deshalb in der Ostukraine nicht direkt eingreifen. Er braucht das auch nicht da die Abtrennnung ein Selbstläufer ist. Spätestens zum Jahresende gehört der Osten nich mehr zur Ukraine. Die Finanzierung der Restukraine wird das Ende des Euro in dieser Form beschleunigen.

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