SAM stellt Nachhaltigkeits-Barometer neu zusammen – Britische und US-Konzerne führend
Deutsche Firmen fliegen aus Öko-Index

Deutsche Unternehmen legen weniger Wert auf nachhaltiges Wirtschaften als die internationale Konkurrenz. Ab kommenden Montag sind sie daher in der neu zusammengesetzten Dow-Jones-Sustainability-Index-Familie (DJSI) deutlich schwächer vertreten.

BERLIN. Anleger, die eine gute Rendite mit einem guten Gewissen verbinden wollen, orientieren sich an Nachhaltigkeitsindizes, die ökonomische, ökologische und soziale Kriterien anlegen. Der DJSI ist in diesem Bereich tonangebend. Das auf seiner Basis verwaltete Vermögen sei innerhalb eines Jahres um 30 Prozent auf fast drei Mrd. Euro gestiegen, berichtet Alexander Barkawi, Direktor der für die Indexerstellung zuständige SAM Indexes GmbH, die zum Schweizer Finanzdienstleister Sustainable Asset Management (SAM) gehört. Die Neuzusammenstellung der Index-Familie zeigt wichtige Trends auf.

Zwar ist Deutschland gemessen an der Marktkapitalisierung im DJSI im Vergleich zum konventionellen Benchmark Dow-JonesGroup-Index noch übergewichtet, die Tendenz ist jedoch fallend. Fünf deutsche Unternehmen fallen am Montag aus dem DJSI World und sechs aus dem europäischen DJ Stoxx-Sustainability-Index heraus – und in beiden Börsenbarometern steigt keine deutsche Firma auf. Beim Weltindex mit 300 Konzernen ist Deutschland nun mit 18 Namen vertreten. Die Niederlande und die Schweiz kommen erneut auf zwölf bzw. 13 Firmen. Neben den USA ist Großbritannien nach acht Neuzugängen mit 73 Namen führend.

Die deutschen Verlierer im weltweiten Index heißen Degussa, Hypo Real Estate, Schering, T-Online und Wella, im DJStoxxSI sind es Celesio, Epcos, Metro, MG Technologies sowie erneut T-Online und Wella. „Die meisten Unternehmen fliegen nicht raus, weil sie schlechter geworden sind, sondern weil die Geschwindigkeit, mit der sich andere in der Branche weiterentwickeln, schneller ist“, erläutert Barkawi. Ein Sonderfall ist Degussa. Das Unternehmen kann nicht notiert werden, weil es nicht mehr zu den 2 500 größten Börsenkonzernen der Welt gehört, dem Ausgangsuniversum von SAM Indexes.

„Die, die nun nicht mehr im Index sind, liegen trotzdem deutlich über dem Industriedurchschnitt“, betont Barkawi. Zu den Top-Firmen gehören sie aber nicht mehr. Der DJSI World nimmt nur die besten zehn Prozent der Unternehmen auf, die in ökonomisch, ökologisch und sozialer Hinsicht ihre Wettbewerber abhängen, der Europa-Index die besten 20 Prozent. Dabei wird die Messlatte immer höher gelegt, die jährlichen Fragebogen werden stets umfangreicher. „Gleichwohl stieg die Beteiligungsrate, bei japanischen Unternehmen sogar um 40 Prozent“, sagt Barkawi.

Japanische Firmen sind nun beim Umweltmanagement und bei den Umweltleistungen führend. Das hat beispielsweise Daimler-Chrysler erfahren müssen. Der Autobauer wurde vor zwei Jahren vom jetzigen Branchenführer Toyota überholt und aus dem Index geschubst. Ärgerlich für Daimler-Chrysler, denn die Notierung im DJSI ist zunehmend eine Imagefrage. Die Wiederaufnahme in den Index gelang den Stuttgartern dieses Jahr nicht.

Manche Unternehmen kritisieren allerdings die Informationsbeschaffung von SAM. Jedes Jahr werde ein deutlich veränderter Fragebogen verschickt, dessen unverkennbar „erzieherischer“ Ansatz nicht erklärt werde, heißt es bei BMW. „Sollen wir etwa die langfristige Strategie ‚Saubere Energie durch Wasserstoff' umwerfen, weil sie wegen ihrer Langfristigkeit bei SAM kurzfristig einem Hybrid-Fahrzeug der Konkurrenz unterlegen ist?“ fragt ein Sprecher.

Der Münchener Hersteller ist seit langem in den DJSI-Indizes. Er liegt dicht hinter Volkswagen, sagt SAM-Analystin Aino Piekkola. Während die Wolfsburger im DJStoxxSI erneut einziger deutscher Konzern Branchenführer sind, stellen Großbritannien, die Niederlande und die USA die meisten Branchenführer.

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