Sarbanes-Oxley schreckt Europäer
Swisscom zieht sich von New Yorker Börse zurück

Die New Yorker Börse (Nyse) wird für Schweizer Unternehmen anscheinend zunehmend unattraktiver. Denn nach dem Zeitarbeitsunternehmen Adecco und dem Chemiekonzern Ciba will nun auch die Swisscom der Wall Street den Rücken kehren.

HB ZÜRICH. „Die Gründe für diesen Schritt sind vor allem das geringe Handelsvolumen in den USA, der relative hohe Verwaltungsaufwand und die kürzlich von der (US-Börsenaufsicht) SEC vereinfachte Deregistrierung“, teilte das größte Schweizer Telekom-Unternehmen am Freitag mit. So wurden in den USA im Vergleich zur Hauptnotierung an der Londoner virt-x im Jahresdurchschnitt weniger als drei Prozent gehandelt, ergänzt Swisscom-Finanzchef Mario Rossi. Die hohen US-Anforderungen an die Corporate Governance und Transparenz könnten auch ohne Zweitnotiz in den USA aufrechterhalten werden, zumal ein hohes Niveau durch die hiesigen Börsenregeln ohnehin gewährleistet sei. Das Delisting solle noch in diesem Jahr erfolgen, hieß es weiter.

Der Sprung an den größten Aktienhandelsplatz hat sich für nur wenige europäische Unternehmen gelohnt. So hatte sich in Deutschland lediglich der Softwareriese SAP mit den Umsätzen an der Nyse zufrieden gezeigt, während andere globale Unternehmen wie British Airways oder Danone sich bereits zurückgezogen haben. Vor allem die hohen Ausgaben und der beträchtliche Mehraufwand in Zusammenhang mit den Sarbanes-Oxley-Vorschriften haben viele Europäer verschreckt.

Seitdem die SEC im Frühjahr die Regeln für die Deregistrierung gelockert hatte, haben sich mehr als 30 Konzern aus Europa dazu entschlossen, ihre Aktien oder US-Hinterlegungsscheine (ADRs) vom Kurszettel zu streichen. Die Börsenaufsicht hatte im März neue Regeln aufgestellt. Danach kann eine Delisting durchgeführt werden, wenn die in den USA gehandelten Aktien weniger als fünf Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. Die alten Vorschriften waren wesentlich härter gewesen, weshalb Experten in Anlehnung an den Siebziger-Jahre-Hit der Eagles vom „Hotel California“-Problem sprachen: einchecken sei jederzeit erlaubt, aber man käme nie wieder raus.

Der ehemalige Schweizer Telefonmonopolist bietet seinen US-Aktionären nach eigener Aussage an, die ADRs ausserbörlich zu handeln oder in Swisscom-Stammaktien umzuwandeln.

Der Schweizer Staat hält knapp 55 Prozent der Swisscom-Aktien. In Zürich verloren die Titel am Vormittag 0,3 Prozent auf 420,50 sfr. In New York hatten sie am Donnerstagabend 0,4 Prozent auf 34,64 Dollar gewonnen.

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