Schadenersatzklage
Gericht macht HRE-Aktionären Hoffnung

Aktionäre der Immobilienbank Hypo Real Estate haben womöglich Aussicht auf Schadenersatz. Der Richter am Landgericht München sagte zum Prozessauftakt, er sehe gewissen Erfolgschancen für die Klagen gegen die marode Münchener Bank. Die Anleger werfen dem Institut vor, dass es Informationen über drohende Abschreibungen zu lange zurückgehalten hat.

HB MÜNCHEN. Das Landgericht München hat Schadenersatzklägern gegen die marode Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) den Rücken gestärkt. Anleger, die zwischen Ende November 2007 und Mitte Januar 2008 Aktien des Münchner Konzerns gekauft hätten, "könnten gewisse Erfolgschancen" haben, sagte der zuständige Richter Matthias Ruderisch am Donnerstag bei der mündlichen Verhandlung von 15 Klagen. Bis zu sieben Kläger fielen in diesen Zeitraum. Es gehe um eventuell zu spät bekanntgegebene Abschreibungen der Bank im Volumen von 390 Mio. Euro. Eine Entscheidung soll Ende Oktober 2009 fallen.

Die Anwälte der Kläger zeigten sich zufrieden: Der Richter gehe wohl von einer Pflichtverletzung aus, sagte Felix Weigend von der Kanzlei Rotter. Die Kläger, die sich Hoffnung machen können, hätten bis zu 160 000 Euro in HRE-Aktien gesteckt, teils aber auch viel kleinere Summen. Die HRE bekräftigte, die Ansprüche der Kläger für unbegründet zu halten. "Wir sind der Auffassung, unseren Informationspflichten korrekt nachgekommen zu sein", sagte ein Sprecher.

Der Prozess behandelt den Anfang vom Ende der Bank. Im Herbst 2008 brach die HRE nach Fehlspekulationen der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa beinahe zusammen und musste mit 100 Mrd. Euro gestützt werden. Mittlerweile ist die Bank verstaatlicht, um nicht die gesamte Finanzbranche mitzureißen.

Nach Auffassung der Kläger hat die HRE zu lange Probleme mit ihren Beständen von US-Ramschhypotheken verschwiegen. Das Management um Ex-Chef Georg Funke hatte seit dem Ausbruch der US-Hypothekenkrise Mitte 2007 ein ums andere Mal beteuert, auf der sicheren Seite zu sein - bis Mitte Januar 2008, als völlig überraschend die 390 Mio. Euro abgeschrieben wurden. Dies zerstörte jegliches Vertrauen in den Vorstand. Der Aktienkurs sackte binnen Stunden um 35 Prozent ab. So viel hatte zuvor noch kein Dax-Konzern an einem Tag verloren.

Richter Ruderisch sagte, die HRE müsse nun darlegen, wann sie über einen erheblichen Abschreibungsbedarf Kenntnis gehabt hatte und dies auch schriftlich belegen. Es sei schwer vorstellbar, dass die internen Überprüfungen des 1,5 Mrd. Euro schweren Portfolios mit besonders kritischen Wertpapieren, sogenannten CDO's, nur mündlich abgelaufen seien.

Das Gericht wies zugleich aber viele Argumente der Kläger zurück: Die Risiken des Geschäftsmodells der 2007 von der HRE übernommenen Depfa seien am Kapitalmarkt bekannt gewesen. Hier hat die HRE nach vorläufigen Erkenntnissen des Gerichts die Investoren angebracht informiert. Auch gebe es keine Hinweise für Verschleierungen in Geschäftsberichten. Die Umstände des späteren Beinahe-Kollaps sollen in anderen Verfahren aufgearbeitet werden. Der aktuelle Prozess könnte zuvor aber den Weg für eine viel größere Sammelklage bahnen - ähnlich wie bei der Deutschen Telekom.

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