Schlag gegen Liberty Reserve
Geldwäsche à la Al Capone

Ermittler haben einen der größten Geldwäsche-Skandale aufgedeckt: Über die virtuelle Währung „Liberty Reserve“ sollen Gangster weltweit sechs Milliarden Dollar verschoben haben. Es ist ein System ganz neuer Dimension.
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New YorkDer Staatsanwalt konnte die Sache gar nicht hoch genug hängen. Es sei der wohl „größte internationale Fall von Geldwäsche, in dem jemals in den USA ermittelt wurde“, sagte Preet Bharara, US-Staatsanwalt in New York, am Dienstag. Man habe eine der „Drehscheiben der Cyberkriminalität weltweit“ ausgehoben.

Es ist ein System ganz neuer Dimension, auf das Bharara da zusammen mit Fahndern aus 16 weiteren Ländern gestoßen sind. Im Zentrum steht eine Firma namens Liberty Reserve aus Costa Rica, die einen Bezahldienst im Internet betrieben hat. Über diesen konnten Kriminelle ihre Einnahmen aus Drogenhandel, Kreditkartenbetrug oder Kinderpornographie verschieben – anonym und nicht nachzuverfolgen.

Rund sechs Milliarden Dollar seien über die Firma in solche Geschäfte geflossen, sagte Bharara. Liberty Reserve sei „die Bank der Wahl für die kriminelle Unterwelt“ gewesen. Fünf Verdächtige, darunter der Firmengründer, seien gefasst, zwei noch auf der Flucht. Ihnen drohen lange Haftstrafen.

Das Prinzip von Liberty Reserve ist erstaunlich einfach. Gangster, die den Service nutzten, brauchten noch nicht einmal viel über das Internet wissen: Kunden mussten über Drittanbieter echte Dollars oder Euro in die Kunstwährung „LR“ eintauschen – anschließend konnten sie sie an andere Kunden überweisen. Die Empfänger mussten die „LRs“ dann nur noch in echte Währung zurückwechseln. Dafür habe die Firma dann eine Gebühr von einem Prozent pro Überweisung kassiert.

Der Clou: Aufseher und Behörden konnten die Transaktionen nicht überwachen. Denn laut Staatsanwaltschaft haben sich die meisten Kunden unter falschem Namen und Phantasie-Adresse angemeldet – was von Liberty Reserve genau so beabsichtigt gewesen sei.

Ein verdeckter Ermittler etwa, der das System testete, konnte problemlos den Nutzernamen „Russland-Hacker“ wählen, wohnhaft „123 Fake Main Street“ („Gefälschte Hauptstraße“) in „Completely Made Up City“ („Komplett erfundene Stadt“). Verwendungszweck: „Für Kokain“.

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Druck auf virtuelle Währungen

Kommentare zu " Schlag gegen Liberty Reserve: Geldwäsche à la Al Capone"

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  • selten so einen Quark gelesen.

  • Woher weiss man, dass die Gelder auf Libertyreserve von Kriminellen stammen? Diese Pauschalisierungen sind meistens völlig daneben. Es wird eher so sein, dass der Anteil an kriminellem Geld niedriger ist als er in unseren öffentlichen Banken zirkuliert. Die Tatsache, dass die gebühren in LR extrem niedrig waren, machte diese Bank sehr geeignet für Kleinstgeschäfte in der Dritten Welt, für Leute, deren durchschnittliches EInkommen weit geringer ist als das Europäische. Der einzige Grund der Schliessung wird auch hier die mangelnde Überwachung durch BIG BROTHER gewesen sein.

  • Al Capone hatte und benutzte damals tatsächlich seine Wäscherei als Unternehmen, über das er dann sein Geld wieder rausgezogen hat. Daher kommt der Begriff "Geldwäsche".

    Weil gerade Wahlkampf ist: Habens dem Steinbrück seine Firma zugemacht. Na sowas... ;-)

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