Schlag gegen Liberty Reserve

Geldwäsche à la Al Capone

Ermittler haben einen der größten Geldwäsche-Skandale aufgedeckt: Über die virtuelle Währung „Liberty Reserve“ sollen Gangster weltweit sechs Milliarden Dollar verschoben haben. Es ist ein System ganz neuer Dimension.
Update: 29.05.2013 - 12:23 Uhr 14 Kommentare

US-Behörden zersprengen Geldwäschering

New YorkDer Staatsanwalt konnte die Sache gar nicht hoch genug hängen. Es sei der wohl „größte internationale Fall von Geldwäsche, in dem jemals in den USA ermittelt wurde“, sagte Preet Bharara, US-Staatsanwalt in New York, am Dienstag. Man habe eine der „Drehscheiben der Cyberkriminalität weltweit“ ausgehoben.

Es ist ein System ganz neuer Dimension, auf das Bharara da zusammen mit Fahndern aus 16 weiteren Ländern gestoßen sind. Im Zentrum steht eine Firma namens Liberty Reserve aus Costa Rica, die einen Bezahldienst im Internet betrieben hat. Über diesen konnten Kriminelle ihre Einnahmen aus Drogenhandel, Kreditkartenbetrug oder Kinderpornographie verschieben – anonym und nicht nachzuverfolgen.

Rund sechs Milliarden Dollar seien über die Firma in solche Geschäfte geflossen, sagte Bharara. Liberty Reserve sei „die Bank der Wahl für die kriminelle Unterwelt“ gewesen. Fünf Verdächtige, darunter der Firmengründer, seien gefasst, zwei noch auf der Flucht. Ihnen drohen lange Haftstrafen.

Das Prinzip von Liberty Reserve ist erstaunlich einfach. Gangster, die den Service nutzten, brauchten noch nicht einmal viel über das Internet wissen: Kunden mussten über Drittanbieter echte Dollars oder Euro in die Kunstwährung „LR“ eintauschen – anschließend konnten sie sie an andere Kunden überweisen. Die Empfänger mussten die „LRs“ dann nur noch in echte Währung zurückwechseln. Dafür habe die Firma dann eine Gebühr von einem Prozent pro Überweisung kassiert.

Der Clou: Aufseher und Behörden konnten die Transaktionen nicht überwachen. Denn laut Staatsanwaltschaft haben sich die meisten Kunden unter falschem Namen und Phantasie-Adresse angemeldet – was von Liberty Reserve genau so beabsichtigt gewesen sei.

Ein verdeckter Ermittler etwa, der das System testete, konnte problemlos den Nutzernamen „Russland-Hacker“ wählen, wohnhaft „123 Fake Main Street“ („Gefälschte Hauptstraße“) in „Completely Made Up City“ („Komplett erfundene Stadt“). Verwendungszweck: „Für Kokain“.

Druck auf virtuelle Währungen
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14 Kommentare zu "Schlag gegen Liberty Reserve: Geldwäsche à la Al Capone"

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  • selten so einen Quark gelesen.

  • Woher weiss man, dass die Gelder auf Libertyreserve von Kriminellen stammen? Diese Pauschalisierungen sind meistens völlig daneben. Es wird eher so sein, dass der Anteil an kriminellem Geld niedriger ist als er in unseren öffentlichen Banken zirkuliert. Die Tatsache, dass die gebühren in LR extrem niedrig waren, machte diese Bank sehr geeignet für Kleinstgeschäfte in der Dritten Welt, für Leute, deren durchschnittliches EInkommen weit geringer ist als das Europäische. Der einzige Grund der Schliessung wird auch hier die mangelnde Überwachung durch BIG BROTHER gewesen sein.

  • Al Capone hatte und benutzte damals tatsächlich seine Wäscherei als Unternehmen, über das er dann sein Geld wieder rausgezogen hat. Daher kommt der Begriff "Geldwäsche".

    Weil gerade Wahlkampf ist: Habens dem Steinbrück seine Firma zugemacht. Na sowas... ;-)

  • @JuergenK "Warum wird Geld sowie die dazugehörige Person nicht generell zusammen erfasst?"

    Weil das der Unterschied zwischen Dikaturen und Demokratien ist. In einer Dikatur ist der Bürger gläsern und der Staat hat Geheimnisse. In der Demokratie ist der Staat gläsern und der Bürger hat Geheimnisse.

    Es gibt nur eine einzige Frage die sich jeder Mensch beantworten muss: Bin ich für den Staat da (bin ich also ein Sklave des Staates) oder ist der Staat für mich da (dann muss ich ihn finanzieren).

    Steuerhinterziehungen ist in einer Demokratie ein ehrenwertes und akzeptables Verhalten. Denn der Staat muss dem Bürger beweisen, dass Gelder sinnvoll ausgegeben wurden. Nur Dikaturen zwingen Menschen ein bestimmtes Verhalten auf.

  • Warum wird Geld sowie die dazugehörige Person nicht generell zusammen erfasst?

    Dann könnte man sich die ganze Steuererklärungsquälerei ersparen, Kriminelle wären sofort erkennbar, illegale Transaktionen unmöglich weil die Personen identifizierbar.

    Die Rechenpower wäre doch vorhanden. Bei jedem Arbeitnehmer geht das heute schon, sind über die Lohnbuchhaltung transparent.

    Etwas mehr Initiative, Verbot von Bargeld, und wir wären einen großen Schritt weiter. Wer etwas verstecken will, hat dann keine Chance mehr.

  • Der Vergleich mit PayPal war mir auch gleich als erstes eingefallen. Weil man da ja auch so "verblüffend einfach" Geld rund um die Welt überweisen kann. Mit zwei entscheidenden Unterschieden. Der Empfänger muß ewig warten, bis er das empangene PayPal-Guthaben als richtiges Geld ausgezahlt oder auf sein Bankkonto überwiesen bekommt, bis zu drei Wochen, natürlich gibts auch ne prozentuale Transaktionsgebühr. Obszön! Und dann stellt sich wohl auch die Frage nicht ernsthaft, ob PayPal als eBay-Tochter mit den US-Behörden Daten austauscht oder gar Direktzugrif gewährt.
    Hier wird wohl offensichtlich ein Konkurrent mit der ganz dicken Keule plattgemacht.

  • Ähm. Der Geldwäschevorwurf ist IMO falsch. Das Liberty-System ist am ehsten mit Bargeld zu vergleichen. Wer es nicht glaubt, kann es selbst versuchen: Zu Mediamarkt gehen, mit Bargeld bezahlen. Funktioniert. Auch für sehr große und teure Fernsehgeräte. Man kann sich sogar eine Rechnung geben lassen, auf eine komplett gefälschte Adresse.

    Geldwäsche (also der Umtausch von Geldern aus illegalen Quellen zu legalen Quellen) kann man mit Liberty nicht machen. Aus einem einfachen Grund: Geldwäsche bedeutet, dass man das Geld anschließend ganz normal auf seinem Konto haben und ausgeben kann, auch wenn die Geldquelle kontrolliert wird. Dazu braucht es einen erklärbaren Grund.

    Taucht eine anonyme Zahlung auf einem Konto auf, ist das immer noch illegales Geld und man steht immer noch mit einem Bein im Gefängnis.

    Klassische Methoden für Geldwäsche kleiner Summen sind Restaurants. Das Geld wird schlicht als Bareinnahme verbucht, es werden Steuern bezahlt und fertig. Nett sind auch Casinos. Man verabredet sich mit dem Geldempfänger zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Tisch ein bestimmtes Spiel zu machen und so lange zu verlieren, bis der gewünschte Geldbetrag übermittelt wurde. Gewinne aus Glücksspiel sind steuerfrei und niemand muss seinen Ausweis vorzeigen.

    Eine weitere klassische Methode ist der Handel mit gebrauchten Autos, insbesondere wenn die Autos nach 'Afrika' verkauft werden.

    Von daher: IMO ging es den Behörden darum gegen anonymes bezahlen vorzugehen. Getreu dem Motto: Nur ein gläsener Bürger ist ein guter (weil kontrollierbarer) Bürger.

  • Sechs Milliarden weltweit überwiesen? Einfach so, „verblüffend einfach“ (Spiegel)? Das ist ja wie bei Paypal! Und dann in diesem Volumen! Sechs Milliarden - der Zeitraum wird nicht genannt - entsprechen etwa sechs Prozent des allein in Europa jährlich anfallenden Schwarzgeldes aus Wettbetrügereien, Waffenhandel, illegaler Prostitution und Drogengeschäften. Sechs Milliarden sind auch zirka 3,75 Prozent des Gesamtwertes der Transaktionen, die Paypal pro Jahr abwickelt. Und sechs Milliarden in 55 Millionen Transaktionen sprechen eine deutliche Sprache über die wirtschaftliche Potenz der kriminellen Schattenwelt: Durchschnittlich schleusten die Gangster imponierende 109 Dollar pro Transaktion „illegal in den Wirtschaftskreislauf“.


  • was hat sich libertyreserve eigentlich zu Schulden kommen lassen?
    anonyme konten gibt es doch seit jeher schon in der schweiz, lichtenstein und luxemburg da werden die banken aber nicht dicht gemacht und das geld einkassiert. das klientel dieser banken ist halt ein anderes statt kleinkrimineller haben dort politiker und firmenbosse ihre Konten. leute wie Gadafi, hüssein, mubarak, Bush, G. Schröder, zumwinkel und Hoeneß. und wenn mal einer wie mubarak gestürzt wird dann kassiert die usa nur sein geld ein und macht nicht komplett die ubs dicht. amerika versklavt uns alle, jedes andere land mit so einem geführten haushalt wäre schon vor 20 jahren pleite gewesen, aber diese bösewichte kontrollieren das komplette finanzsystem und halten sich so am leben. das perfide an denen ist wie sie sich immer als die guten darstellen

  • Heute verbieten wir anonyme Online-Bezahldienste - Morgen verbieten wir anonymes Bargeld - Übermorgen verbieten wir vielleicht noch Gold&Silber.

    Und dann kehren wir endlich wieder zurück zu HO und Konsum und machen um das Sicherheitsdisneyland noch eine schöne antikriminelle Mauer rum damit generalverdächtigte Netto-Steuerzahler nicht in Versuchung kommen sich ihren Arbeitnehmer- und Steuerzahlerpflichten durch illegale Republikflucht zu entziehen.

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