Schlechte Geschäfte
Daimler und Deutsche Bank verzocken sich

Um die Übernahme der Postbank zu stemmen, wendet sich die Deutsche Bank derzeit an ihre Aktionäre. Doch ein gutes Geschäft macht der Branchenprimus damit nicht. Und er ist nicht der einzige deutsche Konzern, der sich mit einem Rückkauf zur falschen Zeit verhoben hat.
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DÜSSELDORF. Die Deutsche Bank bittet derzeit ihre Aktionäre, neue Aktien für 33 Euro pro Stück zu zeichnen. Daraus erhofft sich der Branchenprimus gut zehn Mrd. Euro, um so die Übernahme der Postbank zu stemmen und die dünne Eigenkapitaldecke aufzupolstern. Niemand zweifelt daran, dass die Deutsche Bank genug Abnehmer findet. Dennoch, ein gutes Geschäft sieht anders aus.

Es ist nicht lange her, dass die Bank höhere Preise für ihre eigenen Aktien zahlte, um so ihre Gesamtzahl zu verringern. Seit 2002 steckte das Institut 15 Mrd. Euro in den Rückkauf eigener Anteilsscheine – mehr als jedes andere deutsche Unternehmen. Einen Preis von 33 Euro erwischten die Rückkäufer der Bank seit 2002 nur ein einziges Mal. Das belegen Woche für Woche angelegte Rückkaufstatistiken des Hauses, die im Internetauftritt einsehbar sind.

An den fünf Handelstagen in der Woche vom 10. bis 14. März 2003 bezahlten die Finanzjongleure der Deutschen Bank einmal für ihre Aktien einen Kurs von 32,97 Euro. Alle übrigen Anteilsscheine kamen das Institut teurer als die jetzt aufgerufenen 33 Euro – in der Spitze 118,51 Euro in der Woche vom 14. bis 18. Mai 2007, also unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise. Insgesamt errechnet sich seit 2002 ein durchschnittlicher Rückkaufpreis von 64,65 Euro je Aktie. Das sind 95 Prozent mehr, als Anleger jetzt für eine Deutsche-Bank-Aktie bezahlen.

Nicht viel besser erging es Daimler. Stolz präsentierte der Autohersteller im März 2009 der Öffentlichkeit seinen neuen Großaktionär Aabar Investments. Mit 2,6 Mrd. Euro linderte der Staatsfonds aus Abu Dhabi die große Absatzkrise inmitten der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Daimler diente Aabar seine Aktien zum Stückpreis von 20,27 Euro an.

Ein halbes Jahr vorher kaufte Daimler noch eigene Aktien zurück. Bis Oktober 2008 blätterten die Stuttgarter durchschnittlich 39 Euro dafür auf den Tisch. Wirklich gerechnet haben sich die Käufe bislang nur für Abu Dhabi. In anderthalb Jahren schlägt ein Kursgewinn von 125 Prozent zu Buche.

„Viele Dax-Konzerne haben sich verhoben. Sie hätten besser Liquidität gehalten“, sagt Betriebswirt Markus Sendel-Müller vom Saarbrücker Info-Institut. Zwar verknappen weniger Aktien das Angebot und erhöhen zugleich den künftigen Gewinn je Aktie, das beflügelt oftmals den Kurs. Viele Firmen kaufen daher meist auf Druck einflussreicher Aktionäre ihre eigenen Aktien zurück. Bei der Deutschen Börse musste einst Vorstandschef Werner Seifert seinen Hut nehmen, weil er lieber expandieren und die London Stock Exchange kaufen wollte, anstatt seine Anleger mit Aktienrückkäufen zu besänftigen.

Doch die Unternehmen bezahlen für die Wünsche ihrer Anleger einen hohen Preis, wenn sie in Krisenzeiten frisches Kapital brauchen. Sie spiegelten die Ideenlosigkeit der Vorstände wider, kritisiert Sendel-Müller. Das Geld fließe ab und werde nicht in die Zukunft investiert.

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