Schlechte Prognosen
Banken meiden Negativurteile für Dax-Konzerne

Eigentlich sollten deutsche Analysten die heimischen Großkonzerne am besten kennen. Doch im vergangenen Jahr lagen ausländische Brokerhäuser wie Goldman Sachs oder ABN Amro mit ihren Prognosen für Dax-Werte deutlich besser. Der Grund: Anders als die Ausländer musste die deutschen Analysten zu Verkaufsempfehlungen geradezu gezwungen werden.

FRANKFURT. In einer der schwierigsten Phasen für Aktienprognosen sind für den Erfolg von Analysten zwei Eigenschaften unabdingbar: besonderes Gespür für die Märkte und Entschlossenheit. "Nur wer bis zum Frühjahr extrem pessimistisch war, sich dann aber radikal zu Optimismus durchrang, konnte erfolgreich arbeiten", sagt Stuart McLean, Europa-Chef des US-Analysehauses Starmine, deren Ranking für die besten Broker gemessen an den wichtigsten deutschen Aktienindizes dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Bei Aktienempfehlungen und Gewinnschätzungen für die Aktien des Standardwerteindex Dax haben sich nach der Starmine-Auswertung internationale Broker in den vergangenen zwölf Monaten einmal mehr behauptet. Anleger, die deren Empfehlungen folgten, konnten bis zum Tiefpunkt der Aktienmärkte im März extreme Verluste vermeiden und von den anschließend rasant kletternden Kursen profitieren.

Das Analysehaus, das zu Thomson-Reuters gehört, untersucht für das Ranking die Treffgenauigkeit von Empfehlungen für Aktien aus den Indizes Dax, MDax, SDax und TecDax in den vergangenen zwölf Monaten bis Ende September sowie die Qualität von Gewinnschätzungen (siehe "Broker mit den besten Analysen"). Die besten Empfehlungen für Dax-Werte gaben die Analysten von Goldman Sachs ab. Bei den Gewinnschätzungen für Dax-Aktien lag UBS vorn. Die Goldman-Analysten waren zunächst "pessimistischer als viele andere, haben nach dem Tiefpunkt ihre Urteile relativ schnell revidiert", erklärt McLean den Erfolg. Die UBS-Analysten arbeiteten ungeachtet aller Turbulenzen im eigenen Haus hochprofessionell, sagt er.

Große globale Broker seien bei großen Dividendenwerten am besten mit den extrem wechselnden Situationen an den Märkten zurechtgekommen, meint er. Das liegt seiner Ansicht nach auch daran, dass viele deutsche Häuser lange Zeit zu

Noch Ende 2008 hatten deutsche Analysten überwiegend "Kaufen"-Urteile abgegeben, wie McLean gezählt hat. Dagegen stuften internationale Broker zu dem Zeitpunkt nur ein gutes Drittel ihrer bewerteten Aktien mit "Kaufen" ein. Aktuell haben deutsche und globale Analysten zwar mit 42 Prozent der Bewertungen gleich viele "Kaufen"-Voten abgegeben. Aber lokale Häuser stufen mit 36 Prozent deutlich mehr Aktien mit "Halten" ein als etwa ihre europäischen Kollegen, die nur ein Fünftel "Halten"-Urteile vergeben haben.

Research-Chefs beklagten denn auch, dass viele Analysten regelrecht überzeugt werden müssten, sich zu "Verkaufen"-Urteilen durchzuringen, erzählt McLean. Das liegt seiner Ansicht nach auch an der geringen Erfahrung vieler noch junger Aktienanalysten.

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