Schon vor dem ersten Schuss endet in Europa die Börsen-Talfahrt
Wie die Finanzmärkte auf den Krieg im Irak reagierten

Die Vergangenheit drohte die Finanzmärkte einzuholen – aber nur kurz. Die Anschläge in Madrid machten Unternehmensgewinne, Frühindikatoren und Aktienbewertungen plötzlich vollkommen unwichtig. Terror, Politik und Fragen der Sicherheit bestimmten die Kurse. So war es in den Monaten vor dem Irak-Krieg bereits gewesen.

DÜSSELDORF. Doch anders als nach Madrid stürzten die Kurse vor einem Jahr nicht ab. Die Börsen stiegen, weil das Bekannte, aber Unausweichliche ganz nahe war und damit nach Meinung der großen Mehrheit schon bald Vergangenheit sein würde. Von „Erleichterungsrally“ sprach die Finanzwelt. In der Börsengeschichte gab es kaum einen Zeitraum, in dem die Kurse stärker zulegten als unmittelbar vor dem Abwurf der ersten Bombe im Irak.

Zuvor hatten Angst vor einer weltweiten Eskalation die Kurse abstürzen lassen. Den Deutschen Aktienindex (Dax) traf es von allen etablierten Börsen-Indizes am heftigsten. Als die Marke von 2 200 Punkten erreicht wurde, war über die Hälfte der 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen weniger wert als es ihrem Eigenkapital (Buchwert) entsprach. Nicht Verkaufslawinen waren für die Talfahrt verantwortlich, sondern viel zu wenig Käufer. Selbst solideste Aktien galten als zu riskant.

Den Irak-Krieg für die größte Baisse in Europa aller Zeiten verantwortlich zu machen, greift aber zu kurz. Das Platzen der Internetblase im Jahr 2000, Bilanzskandale, schwindendes Anlegervertrauen, die Attentate auf die USA am 11. September 2001, Konjunktursorgen, Deflationsängste und schließlich Gerüchte über Bankenpleiten hatten ein Umfeld geschaffen, in dem die Börsen für außergewöhnliche Tiefstände empfänglich wurden. Nur deshalb war der schwere Absturz vor dem Irak-Krieg möglich.

Wie unterschiedlich geopolitische Risiken Kurse bewegen, haben die Börsen nach dem Irak-Krieg erlebt. Terroranschläge der El Kaida in Istanbul Ende vergangenen Jahres gingen an den Börsen spurlos vorbei. Weil diese sich in einem starken und stabilen Aufwärtstrend bewegten, interessierten Anleger sich lieber für dazu passende Themen wie Konjunktur, Firmengewinne und Bewertungen.

Wenig später holte die Vergangenheit die Finanzwelt aber ein. Weil nun die Konjunktur widersprüchliche Signale sendet und das Wachstum ins Stottern gerät, schockierten neuerliche Anschläge die Börsen schwer. Für viele Investoren war es eine willkommene Gelegenheit, Gewinne mitzunehmen.

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