Schuldenkrise
„Deutschland muss aus dem Euro austreten“

Der Euro steht auf der Kippe. Wird die Währungsunion weiter bestehen? Nein, meint Jens Ehrhardt. Allerdings rät der Vermögensverwalter nicht Griechenland zum Austritt aus dem Euro, sondern Deutschland. Ein Gastbeitrag.
  • 152

Der Euro wird in seiner heutigen Form nicht überleben. Dazu sind die einzelnen Mitgliedsstaaten in wirtschaftlicher Hinsicht zu unterschiedlich.

Solange die Mittelmeerländer gemeinsam mit Deutschland im Euro sind, haben sie keine Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit – etwa durch eine Abwertung der Währung – zu verbessern. Fehlende Leistungsfähigkeit sowie mangelnde Fähigkeit zur Schuldenrückzahlung werden durch die starre Konstellation der Euro-Zone sogar noch wachsen.

Immer höhere Arbeitslosenzahlen in den Mittelmeerländern werden auf die Dauer zu politischen Extremen führen, die dann nicht nur von der wirtschaftlichen, sondern auch von der politischen Seite einen Austritt erzwingen werden.

Die Politiker wären gut beraten, nicht zu lange mit den nötigen Anpassungsprozessen zu warten, da diese umso schmerzlicher werden, je länger man wartet. Andernfalls wird sich das Kohl‘sche Argument „Der Euro sichert Frieden in Europa“ ins Gegenteil umkehren.

Die im Ausland geforderte Vergemeinschaftung der Schulden – zum Beispiel via Euro-Bonds – kommt nicht infrage. Dadurch würde Deutschland in Schuldensumpf hineingezogen. Nicht nur die Kosten für die Refinanzierung würden dadurch steigen. Auch die Konjunktur würde sich verschlechtern. Je mehr Zins- und Verschuldungsgleichheit in Europa herrscht, desto schlechter die deutsche Binnenkonjunktur inklusive Immobilienmarkt. Der Export dürfte sich ohnehin weltwirtschaftsbedingt abflachen.

Auch ein ständiges Gelddrucken durch die Europäische Zentralbank ist keine Alternative, die von der Mehrheit der heutigen Euro-Länder akzeptiert werden kann.

Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden. Ähnlich wie China oder die Schweiz könnte man die deutsche Aufwertung begrenzen und dabei wertvolle Währungsreserven bilden.

Der Autor ist einer der prominentesten deutschen Vermögensverwalter. Als Gründer und Vorstandschef der DJE Kapital AG wacht der Münchener über ein Vermögen von rund zehn Milliarden Euro.

Kommentare zu " Schuldenkrise: „Deutschland muss aus dem Euro austreten“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Danke Herr Ehrhardt. So muß und kann es gehen. Alternativlos. Wir können nur unseren europäischen Nachbarn helfen, wenn wir selbst nicht untergehen. Zielgerichtete Solidarität. Die Völker werden uns verstehen. Und was die Nichtgewählten machen? Die Menschen in der EU brauchen alle Hilfe, um sich von der selbst ernannten Elite verabschieden zu können. Wir brauchen einen gerechten Richterspruch aus Karlsruhe, evtl. eine vorgezogene Neuwahl und evtl. einen Marshallplan, um unseren östlichen Partnern aus ihrer nicht selbst verschuldeten Not zu helfen - sie wurden nach Kommunismus und Bolschewismus Hals über kopf in den Casino-Kapitalismus katapuliert. Die EU und "alle Menschen werden Brüder" können in Frieden leben, und auch die Industrie, der Mittelstand und die Handwerksbetriebe. Ja, ich träume weiter und hoffe, dass die Mehrheit nicht einfach nur "abgebrüht ist" ist.

  • ...und viele hatten es eigentlich gewusst, dass das in Hose gehen musste. Ein vereinigtes Europa. Hätten die Politer einfach nur die Grenzen aufgehoben, Zölle eingestellt....wozu dieses dämliche Europe "Jedrisse"? Aber nein, es mußte eine einheitliche Währung her. Der, meiner Meinung nach (da ich viel in Europa unterwegs bin), einzige Vorteil (Ausnahmen, unsere Inseläffchen....naja, die gönnen sich ja auch noch die Monarchie), die Dänen ect....
    Früher hatte man sich gefreut, wenn man für 100 DM soundsoviel mehr Peseten, wie im Vergleich zum Vorjahr bekommen hat. Wen hat es gestört? Niemanden.
    Das, und ich habe mit dem Bankensektor oder der Betriebswirtschaft nichts zu tun, war für mich die erste Frage....wie soll das funktionieren. Traue keiner Bilanz die du nicht selbst gefälscht hast....und dann die Italiener. Ich hätte schwören können, dass die zuerst den Fingern gehoben hätten....tja, falsch gelegen.
    Sorge bereitet mir nur, was mit den ca. 27000 Schmarotzern in Brüssel, Luxenburg und wo sie sich auch immer gerade rumtreiben, und kräftig Spesen generieren (oder Titel kaufen), passieren wird, wenn wir aus der EU austreten. Müssen wir die zum Teil zurücknehmen?
    Statt andere permanent retten zu müssen, könnten wir uns ein bisschen mehr auf den heimischen Markt konzentrieren, und eingesparte Gelder dort intelligent investieren.....und keiner von den Brüssler Flachzangen, schreibt uns vor, wer und wieviel subventioniert wird.....nein, ich bin auch kein Bauer, egal. Ich bin froh, dass der Krümmungswinkel der Banane mittlerweile festlegt wurde.
    Ach ja, hätte ich fast vergessen, Länder die durch egal welch´gearteten Irrsinn pleite gegangen sind, können und werden keine "deutschen Produkte" kaufen.

    Mit freundlichen Grüßen

  • Austritt ist die vernünftigste Lösung. Und dann kann uns niemand vorwerfen, wir würden den anderen Staaten durch unsere (angebliche) Sparpolitik schaden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%