Schuldenkrise
„Europa ist noch weit von einer Lösung entfernt“

Die Nervosität der Bond-Anleger wächst. Die Renditen für zehnjährige Spanien-Anleihen steigen. Ein Nobelpreisträger warnt derweil, dass die Schuldenkrise so enden könnte wie in den 1930er-Jahren. Wegen Deutschland.
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Belgrad/MadridDas Hin und Her in der Frage, ob und wann Spanien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft, hat erneut für Nervosität unter den europäischen Renten-Anlegern gesorgt. Sie trennten sich ungeachtet einer erfolgreichen Emission spanischer Anleihen von bereits gehandelten Staatspapieren des Krisen-Landes. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Titel stieg auf 5,869 Prozent. Die Spekulationen über ein umfassendes Hilfeersuchen Spaniens werde die Investoren noch eine Weile beschäftigen, sagte Zinsstratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. Aber spätestens nach den spanischen Regionalwahlen werde der Markt auf eine Entscheidung drängen.

Erst wenn Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft, kann die EZB Anleihen des Landes aufkaufen und damit die Anleiherenditen drücken. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte am Dienstagabend dementiert, dass ein Antrag auf weitere Hilfen schon am Wochenende gestellt werden könnte. Bislang hat das Land lediglich Gelder für seinen maroden Bankensektor beantragt. Der Euro ging unterdessen auf Erholungskurs und kostete mit 1,2951 Dollar rund einen halben US-Cent mehr als zum New Yorker Vortagesschluss.

Gleichzeitig nahmen einige Investoren bei Bundesanleihen Gewinne mit. Der Bund-Future büßte 13 Ticks auf 141,46 Punkte ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ den Leitzins wie erwartet bei 0,75 Prozent. Auch die Bank von England (BoE) tastete ihren Schlüsselsatz (0,5 Prozent) nicht an. Gleichzeitig hielt sie am Volumen ihres Anleihe-Ankaufprogramms fest.

Auf rege Nachfrage stieß die Emission spanischer Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren. Trotz teilweise rückläufiger Renditen waren die Papiere stärker überzeichnet als bei den vorangegangenen Auktionen. Rabobank-Zinsstratege Richard McGuire wertete die Ergebnisse der Auktion positiv. Das Interesse sei aber nicht überraschend. Schließlich bestehe die Aussicht auf Käufe kurz laufender spanischer Bonds durch die EZB, sobald Spanien unter den Rettungsschirm schlüpft.

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  • @ben-wa: noch so ein ganz Schlauer aus Absurdistan. Was meinst Du eigentlich warum Deutschland in der Eu und im € ist?
    Freiwillig oder durch alle Westlichen Länder genötigt? Wenn wir austräten würden sofort alle mitaustreten und uns nötigen eine neue EU/€ zu akzeptieren.
    ohne Einbindung würde Deutschland , weil schutzlos, die Atombombe bauen und alle Miniländer um uns herum könnten über bilaterale Verträge geknebelt werden. Wohin sollten denn all die Länder um uns herum ihre Waren verkaufen wenn nicht an uns!!! Und wer ist der Stärkste der alle ökonomisch an die Wand fahren könnte!
    Erst denken - dann schreiben, bitte

  • Q alle: Welcher Wirtschaftsprofessor hat eiegntlich sein Wirtschaftswissen in ein Vermögen umwandeln können. Bisher keiner. Wer aus dieser Intelligenzclique hat richtig die nahe zukunft prognostiziert? Keiner. Also warum auf diese Leute hören? Handeln wir doch besser nach allgemeinen Grundsätzen. Die haben sich seit der Steinzeit bewährt und als sehr robust erwiesen. Einer davon ist das Vorsichtsprinzip das in folgenden Sinnsprüchen lebt. Werfe kein Geld s.chlechtem hinterher. Bettlern leiht man kein Geld. Wein schüttet man nicht in ein Fass ohne Boden. Ohne Pfand und Sicherheiten gibbet keinen Kredit.
    Dagegen wird seit Jahren verstoßen. Solange die Pigstaaten ihr Zentralbankgold nicht als Sicherheit abgeben sollte kein Cent mehr fließen. Geld gibt es nur noch gegen Steuergesicherte Abgabeb. Erinnert sich noch jemand an die Streichholzabgabe? Warum wohl hat das Deutsche Reich sie eingeführt! Weil es damals keine bescheuerte EU gab.

  • Die oben genannten Ausführungen ergänze ich noch durch Auszüge aus einer Rede, die Gustav Stresemann 1927 in Oslo angesichts der Verleihung des Nobelpreises gehalten hat:
    "Der Geschichtsforscher sieht heute noch den Ausgang des Krieges für Deutschland vielfach nur in verlorenen Gebietsteilen, verlorener praktischer Kolonialbestätigung .......“ Er übersieht vielfach den schweren Verlust, den Deutschland mit erlitten hat. Dieser schwere Verlust bestand meiner Auffassung nach darin, daß jene geistige und gewerbliche Mittelschicht, die traditionsgemäß Trägerin des Staatsgedankens war, ihre völlige Hingabe an den Staat im Kriege mit der völligen Aufgabe ihres Vermögens bezahlte und proletarisiert wurde", will heißen, blinde Staatsgläubigkeit etwa im Sinne des deutschen Idealismus führt konsequent in die Katastrophe und gerade die Deutschen sind anfällig dafür, denn dieser Vorgang wiederholte sich ungefähr 12 Jahre später.
    Und: Kriege werden geführt, um Ziele zu erreichen, die man mit rationalen, vernünftigen Mitteln nie erreichen würde: Wie zum Beispiel das Ziel einer Gleichsetzung von Politischer Union und Währungsunion, das heisst die völlig dilettantische Schaffung einer Einheitswährung für Länder mit meilenweit voneinander abweichenden Wirtschafts- und Finanzstrukturen. Das ist genau so ein Verbrechen wie einen Krieg vom Zaune zu brechen.

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