Schwedischer Börsenbetreiber
Übernahmegerüchte treiben OMX-Kurs

Immer neue Spekulationen im Bieterkampf um den schwedischen Börsenbetreiber OMX haben den Kurs der OMX-Aktie in den vergangenen Tagen kräftig klettern lassen. Mittlerweile übertrifft der Marktwert das Übernahmeangebot aus Dubai deutlich. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.

STOCKHOLM. Zuletzt wurde die OMX-Aktie in Stockholm für 263,00 Kronen (28,50 Euro) gehandelt. Damit liegt der Kurs deutlich über den 230 Kronen, die die Börse Dubai je OMX-Aktie geboten und so das ursprüngliche Übernahmeangebot der US-Technologiebörse Nasdaq von rund 205 Kronen deutlich übertrumpft hatte.

Der enorme Kursanstieg in den vergangenen Tagen liegt an dem Störfeuer des staatlichen Investmentfonds aus Katar: Nur Stunden, nachdem sich Nasdaq und die Börse Dubai vergangene Woche darauf geeinigt hatten, gemeinsame Sache zu machen und zusammen die OMX zu übernehmen, kam aus dem Golfstaat Katar die überraschende Botschaft, dass man ebenfalls an OMX interessiert sei. Gleichzeitig forderte man die OMX-Aktionäre auf, nicht auf das Nasdaq/Dubai-Angebot zu reagieren und gab bekannt, selbst bereits 9,98 Prozent der OMX-Aktien gekauft zu haben.

Soweit der Stand vom vergangenen Donnerstag. Seitdem kursieren Gerüchte – Gerüchte, die die OMX-Aktionäre reich gemacht haben. Katar habe 260 Kronen für die OMX-Aktien bezahlt, hieß es. Das wirkte sich natürlich positiv auf den Aktienkurs aus. Und: Katar sei bereit, bis zu 300 Kronen je OMX-Aktie zu zahlen. Ein weiterer Kurssprung war die Folge.

Von den direkten Akteuren in dem von der schwedischen Presse als „Zirkus“ bezeichneten Übernahmekampf war nichts zu hören: Aus den Golfstaaten hieß es „No comment“. Und die Holding der Industriellenfamilie Wallenberg, Investor, genießt als größter OMX-Aktionär mit zehn Prozent schweigend das Schauspiel. Der schwedische Staat mit knapp sieben Prozent will die Situation gründlich untersuchen, und auch der drittgrößte OMX-Aktionär, die Bank Nordea, freut sich stillschweigend, dass der fünfprozentige Anteil enorm an Wert gewonnen ist. Seit Jahresanfang hat die OMX-Aktie um 110 Prozent zugelegt.

Neue Gerüchte brodelten am gestrigen Dienstag: Dubai und Nachbarland Katar würden gemeinsame Sache machen und OMX sowie die Londoner Börse zusammen übernehmen. Wird das ernst genommen, dürfte der Preis noch weiter steigen, denn Geld ist nicht das Problem in den Golfstaaten. Der Wunsch, ein ernstzunehmender Akteur auf den europäischen Finanzmärkten zu werden, hat zu einem Kursniveau geführt, das Thomas Johansson, Analyst der isländischen Bank Kaupthing in Stockholm als „völlig irrational“ bezeichnet. Und noch ist die OMX nicht unter den Hammer gekommen. Fortsetzung folgt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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