Schweizer Börse

Fusionswelle krempelt den SMI-Index um

Der Schweizer Leitindex SMI steht vor dem größten Umbau seit rund acht Jahren. Doch die Neuzugänge können die Lücken nicht füllen. Eventuell ist eine Großbank gleich mit zwei verschiedenen Aktien im Index vertreten.
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Das Schweizer Unternehmen hat seinen Sitz in Allschwil bei Basel. Der US-Konzern Johnson & Johnson will Europas größte Biotech-Firma übernehmen. Rund 30 Milliarden Dollar will der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey für den Hersteller von Lungenmedikamenten auf den Tisch legen. Quelle: Reuters
Zentrale des Biotechnologiekonzerns Actelion

Das Schweizer Unternehmen hat seinen Sitz in Allschwil bei Basel. Der US-Konzern Johnson & Johnson will Europas größte Biotech-Firma übernehmen. Rund 30 Milliarden Dollar will der Pharma- und Konsumgüterriese aus New Jersey für den Hersteller von Lungenmedikamenten auf den Tisch legen.

(Foto: Reuters)

ZürichMit der bevorstehenden Übernahme des Biotechnologiekonzerns Actelion und des Pflanzenschutzmittel-Herstellers Syngenta scheiden in den kommenden Monaten wohl gleich zwei Aktien aus dem gut eine Billion Franken schweren Börsenbarometer SMI an der Schweizer Börse aus. Zwei weitere der insgesamt 20 Titel sind Experten zufolge gefährdet. 2009 wurden mit drei Unternehmen letztmals mehr SMI-Titel ausgewechselt.

„Wie geht es weiter, wenn die großen Schweizer Firmen weggekauft werden?“, fragt ein Aktionärsberater besorgt. Der Anlagebedarf nehme zu, aber die Neuzugänge an der Börse könnten die Lücke, die die Konzerne hinterließen, nicht füllen. Mit der Übernahme von Actelion durch die amerikanische Johnson & Johnson und Syngenta durch Chemchina verliert der Index zwei der zehn Titel mit dem größten Börsenwert.

Die Kriterien für die Aufnahme in den Club der wichtigsten Schweizer Unternehmen sind von der Börse klar geregelt: Im SMI sind die 20 höchstkapitalisierten und liquidesten Papiere mit dem größten Anteil frei handelbarer Aktien. „Gemäß aktueller Selektionsliste der Schweizer Börse ist es ziemlich klar, dass Lonza in den SMI aufgenommen werden dürfte“, sagte Thomas Kühne, Fondsmanager der Liechtensteinischen Landesbank. Der Pharmazulieferer bringt eine Börsenkapitalisierung von rund zehn Milliarden Franken auf die Waage, die im laufenden Jahr wegen der Übernahme der US-amerikanischen Capsugel noch deutlich zunehmen dürfte. Derzeit steht Lonza auf Rang 21.

Daneben zählen der Bau- und Spezialchemie-Spezialist Sika und der Hörgeräte-Hersteller Sonova, die ihr Wachstum in den vergangenen Jahren mit Übernahmen vorangetrieben haben, zu den aussichtsreichsten Kandidaten für einen Aufstieg in die erste Liga. „Sika steht hinter Lonza auf Platz zwei", sagt Eric Chassot, Portfoliomanager bei der Banque Cantonale Vaudoise. Zwischen Sika und Sonova sei ein Zweikampf im Gange, erklärte Kühne. „Sonova hat etwas mehr Volumen, Sika dafür eine höhere Freefloat-Marktkapitalisierung.“

Außenseiterchancen räumen Experten dem Schweizer Geschäft der Credit Suisse ein, das die Muttergesellschaft teilweise separat an die Börse bringen will. Für eine abschließende Beurteilung fehlten allerdings die Einzelheiten zu der Transaktion, erklärt Experte Chassot. Fondsmanager Kühne glaubt jedenfalls nicht an eine Aufnahme in den SMI, weil voraussichtlich ein zu kleiner Aktienanteil der Tochter frei an der Börse gehandelt werde. Zwei Aktien der Credit Suisse im SMI sind nach Auskunft der Börse grundsätzlich jedoch möglich.

Allerdings könnten mehr als zwei der 20 Plätze im Index frei werden, denn mehrere Titel erfüllen die Kriterien nicht mehr oder nur noch teilweise. Auf der Kippe stehen möglicherweise die Aktien der Privatbank Julius Bär und des Lebensversicherers Swiss Life. Der Auswahlliste zufolge sind die „Bären“ beim Handelsumsatz auf den 21. Rang gesunken und Swiss Life beim Marktwert auf Rang 23.

Hier bunkern die Deutschen ihr Geld
Vermögensbildung der Deutschen
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Der Aufwärtstrend der vergangenen drei Jahre setzt sich fort: Die Deutschen werden immer wohlhabender, geht aus der aktuellen Statistik der Bundesbank hervor. Zum Ende des dritten Quartals 2016 stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte auf rund 5.478 Milliarden Euro. Im dritten Quartal des Vorjahres belief es sich noch auf 5.219 Milliarden Euro, ein Plus von 259 Milliarden Euro oder knapp fünf Prozent. Die Bundesbank hat das steigende Geldvermögen der Deutschen umfassend analysiert – die wichtigsten Ergebnisse.

Reicher dank Aktien-Hausse
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Verantwortlich für das wachsende Geldvermögen (Sachvermögen und Immobilienbesitz wurden nicht betrachtet) ist vor allem ein höherer Bestand an Bargeld und Einlagen auf Giro- und Sparkonten, außerdem sogenannte Bewertungsgewinne. Diese entstehen etwa durch steigende Aktienkurse und höher bewertete Anteile an Immobilienfonds. Die Deutschen profitierten laut den Zahlen also 2016 von der Hausse am Aktien- und Häusermarkt.

Bargeld und Bankkonten weiter Nummer 1
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Die Deutschen sind bei der Geldanlage risikoscheu: Den größten Anteil am Gesamtvermögen machen auch nach der neuen Erhebung Bargeld und Einlagen aus, also Geld auf Giro-, Tagesgeld-, Festgeld- und Sparkonten. Der Zufluss war allerdings zuletzt geringer als in früheren Perioden – hier machen sich die Niedrig- bis Nullzinsen laut Bundesbank bemerkbar. Im dritten Quartal 2016 horteten die Deutschen in Bar und auf Bankkonten rund 2.149 Milliarden Euro, im dritten Quartal 2015 waren es noch 2.056 Milliarden Euro.

Das meiste Vermögen ist täglich verfügbar
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Laut der Statistik parken die Deutschen ihr Vermögen vorzugsweise in Bar, auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto, also als Einlage ohne lange Kündigungsfrist. Und dieser Dauertrend nahm 2016 sogar noch zu. Während im dritten Quartal 2015 der Gesamtbetrag von Bargeld und Sichteinlagen noch 1.196 Milliarden Euro lag, waren es 2016 schon 1.300 Milliarden Euro.

Abwärtstrend des Sparbuchs
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Weniger genutzt werden die einstmals klassischsten Produkte der langfristigen Geldanlage: Sparbuch und Sparbrief. Ihre Zinsen liegen nahe Null, die Deutschen parkten hier im dritten Quartal 2016 rund 599 Milliarden Euro, 2015 waren es noch 613 Milliarden Euro gewesen. Nur leicht zugenommen haben die Termineinlagen, also zum Beispiel Festgeldkonten: 249 Milliarden Euro schlummerten hier 2016, gegenüber 246 Milliarden Euro in 2015.

Versicherungs-Sparen bleibt beliebt
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Einer weiteren Vorliebe bleiben die Deutschen treu: Nach dem Sparen in Bar und auf dem Bankkonto vertrauen die Deutschen ihr Vermögen am zweitliebsten einer Versicherung an. Zuletzt stiegen die Ansprüche der privaten Haushalte an Versicherungs- und Alterssicherungssysteme. Das dortige Geldvermögen ist vom dritten Quartal 2015 (2.003 Milliarden Euro) zum dritten Quartal 2016 (2.097 Milliarden Euro) weiter leicht gewachsen. Angesichts immer niedrigerer Garantieverzinsungen ein weiterer Beleg für das risikoscheue Anlegeverhalten der Deutschen.

Aktien werden beliebter
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Eine leichte Trendwende beobachtet die Bundesbank beim lange verschmähten Investment an der Börse. Zwar entscheidet sich immer noch eine Minderheit für das Sparen in Aktien und Investmentfonds, aber diese Minderheit wächst angesichts der Niedrigzinsen auf dem Konto und der steigenden Börsenkurse. Im dritten Quartal 2016 hatten die Deutschen 1.068 Milliarden Euro an der Börse investiert, etwa hälftig in Einzelaktien sowie in Anteilen an primär Aktien- und Immobilienfonds. 2015 war hier noch ein Vermögen von 982 Milliarden Euro geparkt.

Mit der Aufnahme in den Leitindex ist nicht nur ein Prestigegewinn verbunden, der dem Unternehmen bei den Anlegern viel Aufmerksamkeit verschafft, sondern auch ein handfesterer Vorteil. Schließlich bilden die in der Anlegergunst rasant steigenden börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds) meist einen Index ab und müssen Änderungen in dem Barometer entsprechend nachbilden. Fondsanbieter werden aber erst aktiv, wenn Anpassungen anstehen. „Wir spekulieren nicht darüber, welche Aktie aufgenommen oder ausgeschlossen wird“, sagte Serkan Batir vom Marktführer Blackrock. „Wir warten erst auf die offizielle Ankündigung der Börse - dann sehen wir, was wir tun müssen.“

Die SIX entscheidet jeweils im Juni über Modifikationen, die dann im September wirksam werden. Änderungen werden nach dem Verfall der September-Kontrakte an der Eurex wirksam. Außerterminliche Änderungen sind aber möglich, etwa wenn es zu außergewöhnlichen Ereignissen wie Fusionen oder Börsennotierung kommt. In vielen Jahren gab es jeweils keinen oder nur einen Wechsel im Blue-chip-Index. Dennoch hat sich das Gesicht des SMI seit der Gründung 1988 über die Jahre gewandelt. Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch knapp die Hälfte im Index - zumeist mit einem neuen Namen.

  • rtr
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