Schweizer Kunstmarkt
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Die Branche gilt als versnobt, verschwiegen, geheimnisvoll. Vor allem ist sie einträglich: der Schweizer Kunstmarkt. Eine Juristin schrieb einen brisanten Artikel: Demnach untersteht der Kunsthandel nicht dem Geldwäschereigesetz und eigne sich daher hervorragend, Geld zu waschen. Der elitäre Zirkel der Kunstmarktszene ist aufgeschreckt.

GENF. Rund 7 000 Händler kaufen und verkaufen zwischen Basel und Lugano, zwischen Genf und Zürich exquisite Objekte, Experten schätzen den Umsatz der Eidgenossen auf mehrere Milliarden Schweizer Franken. Weltweit, so heißt es bei der Großbank Credit Suisse, beläuft sich das Volumen des Kunstmarktes gar auf 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Eine riesige Summe, die Begehrlichkeiten auch bei Kriminellen wecken kann. Zumal in der Schweiz. Das jedenfalls behauptet die Autorin Rachel Engisch, die in der Juristenpublikation "Jusletter" einen brisanten Artikel publizierte: Die Strafrechtlerin warnt: "Der Kunsthandel untersteht nicht dem Geldwäschereigesetz und eignet sich deshalb hervorragend, um Geld zu waschen. Geldwäscher können große Beträge in einen einzigen Kunstgegenstand investieren." Ein Schweizer Finanzexperte, der anonym bleiben will, sekundiert: "Der Kunsthandel ist ein Handelsgeschäft, das aufgrund seines großen Volumens für Geldwäscherei relevant sein könnte." Eine Anfrage bei der Schweizer Aufsichtsbehörde für den Finanzmarkt, die auch für Geldwäschebekämpfung zuständig ist (Finma) blieb zunächst ohne Antwort.

Missbrauchen also Drogendealer, Räuber und andere gemeine Kriminelle den feinen Schweizer Kunstmarkt? Der elitäre Zirkel der Händler ist aufgeschreckt. Bahnt sich etwa ein neuer Skandal um Schweizer Kunsthändler an? Schon einmal machten sich eidgenössische Galeristen zu Komplizen von Verbrechern: In den dunklen Tagen des Zweiten Weltkriegs diente das neutrale Land als "Umschlagplatz von deutscher Raubkunst" wie es in einem Standardbuch, herausgegeben von Matthias Frehner, heißt. "Ab 1941 wurde deutsche Raubkunst in der Schweiz gehandelt", so Frehner. "Theodor Fischer, der 1939 in seiner Luzerner Galerie für die deutsche 'Verwertungskommission' bereits 'entartete'" Kunst verauktioniert hatte, war zugleich ein wichtiger Lieferant für die Sammlungen von Göring und Hitler."

Jetzt also Geldwäsche? Die Juristin Engisch stützt ihre Behauptungen auf Interviews mit Kunsthändlern. Einige der Händler hätten offen bestätigt, dass in ihrem Metier Gauner ihr schmutziges Geld waschen oder es versuchen. Immer wieder wird dabei auf eine Lücke im eidgenössischen Gesetz hingewiesen: Der Kunstmarkt falle in der Schweiz nicht unter das Bundesgesetz über die Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung im Finanzsektor. Die Händler seien somit eine verlockende Anlaufstelle für Personen mit "heißem" Geld. Vereinfacht läuft der Deal zwischen dem Händler und der zwielichtigen Gestalt dann so: Der Händler bietet ein Gemälde, eine Skulptur oder ein anderes Kunstobjekt an. Der Kunde erwirbt den Gegenstand, zahlt bar mit dem Geld aus kriminellen Machenschaften. Der Händler macht das Geschäft - egal ob er einen Verdacht hegt oder nicht. Der Käufer wiederum hat sich elegant seines schmutzigen Geldes entledigt und ist Eigentümer eines wertvollen Kunstobjektes geworden.

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