Schwellenland in der Krise
Mexiko droht der Absturz

Die Auswirkungen der globalen Finanzkrise, die Schweinegrippe und hausgemachte Probleme werfen die mexikanische Volkswirtschaft um Jahre zurück. Mexiko, lange Zeit Musterknabe in Lateinamerika mit gesunden makroökonomischen Zahlen, droht sogar die Aberkennung des Investmentgrades. Die Wirtschaft des Schwellenlandes steht vor einem bösen Erwachen.

MEXIKO-STADT. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte jetzt wegen der schwierigen Finanzlage den Ausblick für die Bonität der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas von „stabil“ auf „negativ“ zurück. Fitch-Ratings hatte diesen Schritt bereits im November vollzogen. Bislang bewerten Standard & Poor's sowie Fitch die Bonität Mexikos mit der Note BBB+, Moody's mit Baa1. Unter den großen Volkswirtschaften Lateinamerikas hat nur Chile ein höheres Rating.

Mexikos Kreditwürdigkeit droht nach Auffassung von Credit Suisse und UBS aber bereits im dritten Quartal eine Abwertung. „Mexiko war die letzten Jahre sehr selbstzufrieden“, kritisiert Alonso Cervera, Lateinamerikaexperte der Credit Suisse. „Das Land hat die notwendigen Reformen nicht vernünftig angepackt, wodurch die Steuerquote zu niedrig und die Staatsfinanzen vom Ölverkauf zu abhängig sind.“ Rodolfo Navarrete, Chefvolkswirt beim Investmenthaus Vector in Mexiko-Stadt, rechnet gar mit einer Herabstufung Mexikos in den kommenden Wochen. Mexikos Länderrisiko sei deutlich höher als das von Brasilien, Kolumbien und Peru. Gleichzeitig sei aber deren Kreditwürdigkeit deutlich besser. „Das ist eine Schere, die sich über kurz oder lang schließen muss“, warnt er.

Die Rückstufung des Ausblicks auf „negativ“ durch Standard & Poor's Mitte Mai zog nur einen Tag lang die Indikatoren in Mitleidenschaft: „Die Märkte haben das nur als Warnung verbucht, sich dann aber wieder von der Euphorie an den internationalen Finanzmärkten treiben lassen, die gegenwärtig herrscht“, gibt Vector-Analyst Navarrete zu bedenken. Im Falle Mexikos werde die Euphorie aber durch nichts untermauert.

Die Wirtschaft des Schwellenlandes wird dieses Jahr regelrecht abstürzen. Der Internationale Währungsfonds sieht das mexikanische Bruttoinlandsprodukt um 3,7 Prozent schrumpfen. Die Experten der New Yorker Ratingagentur Standard & Poor’s gehen sogar von einem Schrumpfen der Wirtschaftskraft um 5,5 Prozent aus. Mexikos Zentralbank Banxico taxierte das Minus auf 4,8 Prozent. Damit bildet Mexiko mit Abstand das Schlusslicht in Lateinamerika.

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