SdK-Vize legt Ehrenamt nieder
Anlegerschützer stolpert über Aktienspekulation

Der stellvertretende Vorstandschef der Aktionärsvereinigung SdK, Markus Straub, ist nach umstrittenen Finanzgeschäften mit Wertpapieren des Zahlungsverkehrsabwicklers Wirecard zurückgetreten. Die SdK bezeichnet den Rücktritt Straubs „in gewisser Weise“ als Schuldeingeständnis. Die Aktie des Unternehmens kann deutlich zulegen.

HB MÜNCHEN. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zieht Konsequenzen aus der Auseinandersetzung mit der Wirecard AG, Grasbrunn, und legt sein Ehrenamt nieder. "Um weiteren Schaden von der SdK abzuwenden habe ich gegenüber dem SdK-Vorstand meinen Rücktritt erklärt", teilte Markus Straub am Mittwoch mit.

In den vergangenen Tagen hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen der Schutzgemeinschaft und dem Unternehmen gegeben. Die SdK wirft Wirecard irreführende Informationen in der Bilanz vor und hat am vergangenen Freitag eine Nichtigkeitsklage gegen Hauptversammlungsbeschlüsse des TecDax-Konzerns eingereicht.

Fast zeitgleich kam Straub unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass er eine Short-Position in Wirecard-Aktien aufgebaut hat, mit der er vom erheblichen Kursverfall der Wirecard-Aktie profitiert. Hier ist inzwischen eine Strafanzeige des Unternehmens anhängig.

Der Konzern macht für den Kursverfall vor allem die SdK verantwortlich. Wirecard will seine Bilanz für 2007 von einer der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften untersuchen lassen, um die Vorwürfe zur Bilanzierung auszuräumen.

Die SdK bezeichnet den Rücktritt Straubs "in gewisser Weise" als Schuldeingeständnis. Es sei nicht vertretbar, wenn ein SdK-Repräsentant ein Unternehmen kritisiere, dann selbst Leerkäufe tätige und damit Geld verdiene, sagte SdK-Sprecher Lothar Gries der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires auf Anfrage. Dies sei nicht im Sinne der Schutzgemeinschaft und stelle ihr Ansehen infrage.

Unverändert ist allerdings die Position der SdK zur Wirecard AG. "Wir sind der Meinung, dass das Geschäftsmodell von Wirecard nicht transparent genug ist", sagte Gries. Das Unternehmen müsse klar sagen, womit es sein Geld verdiene. Die SdK vertete die Auffassung, dass dies vorwiegend mit der Abwicklung von Glücksspielen im Internet erfolge. Weil dies die Frage der Legalität berühre, müsse Wirecard auf ein höheres Risikopotenzial ihres Geschäftsmodells hinweisen.

Wirecard-Aktien bauen am Mittag ihre Gewinne aus dem frühen Geschäft aus. Bis 12.10 Uhr geht es für die Papiere um 10,6 Prozent auf 5,97 Euro nach oben. Händler begründen den beschleunigten Kursanstieg mit dem Rücktritt des SdK-Funktionärs.

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