Sechs Fragen an Dr. Van
„Asien überholt den Westen“

Diesen Namen sollten Sie sich merken: Venkatraman Anantha-Nageswaran, auch Dr. Van genannt. Er ist der neue Vordenker der Schweizer Privatbank Julius Bär. Im Handelsblatt-Interview erklärt Dr. Van, warum die Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden ist und wie sich die Welt verändern wird.

Handelsblatt: Dr. Van, wie lange wird uns die Finanzkrise noch beschäftigen, wann ist das Schlimmste überstanden?

Dr. Van: Dies ist nicht einfach zu beantworten. Es gab noch nie eine Krise dieses Ausmaßes. Die meisten Experten erwarten, dass uns die Krise noch ein bis zwei Jahre beschäftigt. Ich denke: Es wird noch länger dauern.

Weltweit versuchen Staaten, die Märkte zu stützen. Werden die Maßnahmen greifen?

Wenn die Maßnahmen nur darauf abzielen, die Märkte zu stützen, werden sie keinen Erfolg haben. Stattdessen müssen Strategien her, die für nachhaltiges Wachstum sorgen.

Was ist dann von der Politik der US-Notenbank zu halten, die in großem Stil Staatspapiere und toxische Wertpapiere der Banken aufkauft?

Wenn man meint, dass es vor allem darauf ankommt, für Liquidität auf dem Geldmarkt zu sorgen, dann erscheint diese Strategie konsequent. Ich vermute aber, dass die Probleme tiefer liegen. Die toxischen Wertpapiere sind deshalb nichts mehr wert, weil die ökonomische Basis abhanden gekommen ist. Wenn man jetzt gutes Geld dem schlechtem Geld hinterher wirft, führt dies in ein paar Jahren zu noch größeren Schwierigkeiten.

Erwarten Sie eine rasante Inflation?

Die Weltwirtschaft wird vorerst einmal kaum wachsen. Deshalb dürfte die Inflation in diesem und im nächsten Jahr kein Problem darstellen. Auf mittlere Sicht müssen wir uns aber auf hohe Inflationsraten einrichten.

Warum?

Den Politikern wird es kaum gelingen, die Liquidität, die sie jetzt exzessiv in den Markt pumpen, wieder abzusaugen so bald es wieder aufwärts geht. Das lehrt die Erfahrung. Außerdem gibt es weitere bedenkliche Entwicklungen: Rohstoffe werden knapper, der Klimawandel bedroht Ernten und treibt die Preise für Lebensmittel. All das heizt die Preise langfristig weiter an.

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