Sentiment-Untersuchungen
Stimmung verhagelt alle Prognosen

Stimmungen, psychologische Faktoren und Fantasien bestimmen das tägliche Auf und Ab der Aktienkurse zurzeit weit mehr als Gewinnsteigerungen, Bewertungen und Konjunkturthemen. Börsianer zittern vor einer immer einflussreicheren Unbekannten - und suchen Hilfe bei Sentiment-Untersuchungen.

FRANKFURT. Die Postbank-Aktie bot am Montag ein Paradebeispiel für das, was die Börsen seit Wochen in Atem hält: Sie zog quasi aus dem Nichts binnen Minuten um über sechs Prozent an. Börsianer schütteln ob solcher Kursausschläge ratlos den Kopf.

Sentiment-Untersuchungen, die die Stimmungslage unter Anlegern bestimmen, haben deshalb Hochkonjunktur. Die Krux dabei: Unter Investoren gehen die Meinungen über deren Aussagekraft so weit auseinander, dass die eine Gruppe ihnen große Bedeutung zumisst, die andere sie stattdessen als Kontra-Indikator betrachtet und das Gegenteil dessen erwartet.

Dennoch: Die Aktienstrategen der Banken zollen dieser Entwicklung mehr und mehr Tribut. Klaus Schrüfer von der SEB hat beispielsweise sein Kursziel für den Dax zum Jahresende erst vergangene Woche von 8 000 auf 7 400 Punkte zurückgenommen. Und das, obwohl er in den kommenden Monaten wegen der niedrigen Bewertungen, steigenden Unternehmensgewinnen, hohen Dividendenrenditen und der Einführung der Abgeltungsteuer mit einem expandierendem Aktienmarkt rechnet. Denn es bleibt ein Manko: "Die Stimmung gegenüber Aktien ist gegenwärtig auf einem sehr niedrigen Niveau", sagt Schrüfer.

Das gilt nicht nur für Deutschland. In den USA hat eine Untersuchung gerade das schlechteste Stimmungsbild gegenüber Aktien seit Januar 1995 ergeben. Für die ebenfalls nicht unerhebliche Zahl der Strategen mit einem "Contrarian-Ansatz", die in so viel Pessimismus eine Chance auf steigende Kurse sehen, ist dies ein idealer Nährboden. "Die Sentiment-Betrachtung zeigt weiterhin ein Bild von Weltuntergang und Schwermut, das unter konträren Gesichtspunkten positiv ist und vermuten lässt, dass die aktuelle Bärenmarktrally Beine haben dürfte", sagt Lars Kreckel von BNP Paribas.

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