Sicherheit in der Energieversorgung
Stromhandel: Knappe Ressourcen

Die Welt befinde sich in einem „Krieg um Energie“, hat der französische Finanzminister Thierry Breton kürzlich gesagt. Und auch mancher Akteur an Europas Strombörsen fragt sich, ob die beschlossene Liberalisierung einst staatlich regulierter Märkte für Strom und Gas durch die aktuelle Entwicklung an den Energiemärkten nicht überholt ist.

FRANKFURT. Die Worte lassen aufhorchen. Die Welt befinde sich in einem „Krieg um Energie“, hat der französische Finanzminister Thierry Breton kürzlich gesagt. Der Politiker versuchte damit wohl vor allem die von der Regierung geplante – in der Öffentlichkeit jedoch kontrovers diskutierte – Fusion der französischen Energieversorger Gaz de France und Suez zu begründen. Wegen der angespannten Lage an den Energiemärkten kommt Bretons Aussage jedoch bei immer mehr Menschen an.

So fragt sich auch mancher Akteur an Europas Strombörsen, ob die im Rahmen des Lissabon-Gipfels beschlossene Liberalisierung einst staatlich regulierter Märkte für Strom und Gas durch die aktuelle Entwicklung an den Energiemärkten nicht überholt ist und man sich nicht stärker dem Thema Sicherheit in der Energieversorgung annehmen müsste. Die Regierungschefs der EU hatten sich im März 2000 auf dem Gipfel in Lissabon das ehrgeizige Ziel gesetzt, Europa bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen und unter anderem die Strommärkte zu liberalisieren.

Befürworter marktwirtschaftlicher Strukturen plädieren trotz der jüngsten Verknappungstendenzen am Strommarkt und haussierender Preise an den Strombörsen uneingeschränkt für eine Beibehaltung, ja sogar für eine Beschleunigung des Liberalisierungsprozesses in Europa. Seit dem 1. Juni 2004 können Industriekunden ihre Versorger frei wählen. Doch diese Liberalisierung scheint in „gestressten Märkten“ nicht zu funktionieren.

Denn bei Stromabnehmern genießt derzeit nicht unbedingt die freie Wahl des Versorgers Priorität. Vielmehr steht die Suche nach einem sicherem Strombezug zu Preisen im Vordergrund, damit die Unternehmen ihre Kosten besser kalkulieren und größere Risiken vermieden werden. An der Strombörse EEX in Leipzig ist der Phelix-Strompreisindex Baseload zuletzt wegen der Hitzewelle in West- und Mitteleuropa von unter 30 Euro je je Megawattstunde (MWh) zeitweise bis auf 300 Euro je MWh in die Höhe geschossen. An der EEX werden jene freien Strommengen gehandelt, die nicht durch langfristige Stromverträge zwischen Energieversorgern und Stromkunden abgedeckt werden. Wer in jüngster Zeit also Strom am freien Markt kaufen musste, war gezwungen, tief in die Tasche zu greifen.

Seite 1:

Stromhandel: Knappe Ressourcen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%