Skandal bei JP Morgan
„Wal von London“ gerät aus der Schusslinie

6,2 Milliarden Dollar versenkte ein JP-Morgan-Mitarbeiter bei Derivate-Geschäften. Nun rücken zwei seiner Kollegen in den Fokus der Ermittler. Haben sie die Verluste vertuscht?
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New YorkIm Skandal um milliardenschwere Handelsverluste der US-Bank JP Morgan zeichnet sich eine Wende ab. Insiderinformationen zufolge richten die US-Behörden ihr Hauptaugenmerk mittlerweile auf zwei Kollegen des verantwortlichen Londoner Händlers, der im vergangenen Jahr mit riskanten Derivate-Geschäften 6,2 Milliarden Dollar versenkte und daraufhin als „Wal von London“ in die Finanzgeschichte einging.

Die amerikanischen Strafverfolger prüften nun, ob sie die beiden früheren Bankmitarbeiter in London festnehmen und an die USA ausliefern lassen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Untersuchungen drehten sich um die Frage, wer für die Verschleierung der Verluste verantwortlich sei.

Der französische JP Morgan-Händler Bruno Iksil, der die Verluste verursachte, gerät damit offenbar etwas aus der Schusslinie. Nach Auskunft von Insidern kooperiert er mit den amerikanischen Behörden und muss keine Strafe in den USA mehr fürchten. Im Fokus der Ermittler stehe inzwischen Iksils damaliger unmittelbarer Vorgesetzter Javier Martin-Artajo.

Außerdem untersuchten sie die Rolle des Iksil unterstellten Händlers Julien Grout, dessen Aufgabe im Team es gewesen sei, die Positionen ins Handelsbuch einzutragen. Alle drei arbeiten nicht mehr bei JP Morgan. Stellungnahmen ihrer Anwälte waren am Freitag nicht zu bekommen.

Der Handelsskandal hat mehrere behördliche Untersuchungen und Kongressanhörungen ausgelöst und das Image des Geldhauses mit Konzernchef Jamie Dimon an der Spitze stark beschädigt. Nach früheren Informationen von Insidern will sich die Bank mit den Ermittlern einigen, indem sie eine Strafe zahlt und Fehler einräumt.

Bis zum Jahresende werde es wohl einen Abschluss geben. Die Bank hat sich bereits mehrfach entschuldigt. Anders als bei anderen Finanzinstituten, die wegen riskanter Wetten am Kapitalmarkt in Verruf gerieten, musste im Fall von JP Morgan allerdings nicht der Steuerzahler einspringen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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