Solar Millennium
Die Sonne, die Gier und die Blender

30.000 Anleger haben Solar Millennium vertraut - und viel Geld verloren. Auch Politiker, Topmanager und Börsenexperten sind reingefallen. Recherchen des Handelsblatts zeigen ein System aus Gier und Größenwahn.
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DüsseldorfAlles begann mit dem Turmbau zu Namibia. Geplant war ein gigantisches Bauwerk, das mit fast tausend Meter Höhe zum höchsten Gebäude der Welt werden sollte. Dem Turm sagten seine Planer wahre Wunder nach: Er könne aus heißer Luft Geld machen.

Technisch schien das tatsächlich möglich - mit der Aufwindkraft. Rund um den Turm, so priesen ihn die Planer an, sollte eine weitläufige Fläche mit Glas überdacht werden. Wenn die Sonne darauf scheine, würde sich die Luft unter dem Glas wie in einem Treibhaus erhitzen. Durch das Gebäude, konstruiert wie ein Schornstein, würde die heiße Luft in die Atmosphäre entweichen. Der dabei entstehende Aufwind sollte Turbinen im Inneren des Turms antreiben und so Strom erzeugen.

Die Gründer der Solar Millennium AG (SMAG) traten Ende der neunziger Jahre an, um aus der faszinierenden Idee Geld zu machen. Hannes Kuhn, ein Steuerberater aus Erlangen, Ingenieur Henner Gladen und Rechtsanwalt Harald Schuderer warben in Hochglanzbroschüren für ihr Großprojekt. Die Kosten schätzten sie auf 800 bis 900 Millionen Mark. Das Problem: Es fehlte das Geld.

Um an Startkapital zu kommen, legte das Gründerteam 1998 den "Solar Century Fonds 1" auf. Ein Jahr später folgte der "Solar Millennium Fonds 2". Der Bau eines einzelnen Aufwindkraftwerks sichere eine Rendite von 25,3 Prozent, folge ein zweites, seien es sogar 107,8 Prozent, versprach das Unternehmen 1999. "Mit der Sonne Geld verdienen", hieß der Prospekt. "Unbeherrschbare Risiken" gebe es nicht. Das überzeugte: Rund 1 200 Anleger investierten 16,6 Millionen Mark in die beiden Fonds.

Doch der gigantische Turm wurde niemals gebaut, die Fabelrenditen wurden niemals erzielt. Es blieb bei vielen Konjunktiven: sollte, würde, könnte. Als Ausgleich für ihre Fondsanteile, die nichts mehr wert waren, bekamen die Geldgeber im Jahr 2001 Aktien der neuen Solar Millennium AG.

Der Turm von Namibia sollte nicht das einzige Großprojekt der SMAG bleiben, das sich in Luft auflöste. Die angepriesenen Projekte wurden immer gigantischer - das "größte solartechnische Kraftwerk der Welt" in Jordanien, der "größte Solarkraftwerksstandort der Welt" im kalifornischen Blythe. Doch keines der Prestigeprojekte wurde unter Federführung der SMAG Realität. Nur drei Solarkraftwerke in Spanien und ein Hybrid-Kraftwerk in Ägypten wurden wirklich fertiggestellt.

Kommentare zu " Solar Millennium: Die Sonne, die Gier und die Blender"

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  • Was ist denn mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jörg Meier, der war um 2002/2003 bei der SMAG aktiv.

  • Hallo SMAGler,

    vielen Dank für Ihre offene Kritik und die weiteren Hinweise. Gerne können wir uns zu dem Thema auch direkt austauschen, Sie erreichen mich per Mail: bognanni@handelsblatt.com

    Mit freundlichen Grüßen,

    Massimo Bognanni

  • Ich habe nur bis zu der Stelle gelesen, an der in den Prospekten der Fonds genannten Renditen mit 25% oder sogar 100% angegeben wurde.

    --> Gier frisst Hirn...Wer da nun wieviel Geld aus was für Gründen verloren hat, ist uninteressant.

    Wer nach Bauherrenmodellen in den 80ern und Schott-Ostimmobilien nach der Wiedervereinigung auch Ende der 90er Jahre immer noch an Renditeversprechen jenseits von 10% reingefallen ist, dem kann man eigentlich nur sagen: "Wie gut, dass Du dieses Geld verloren hast, denn Du kannst damit scheinbar eh nicht umgehen." :-)

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